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Sascha Paar

Heimatkörper

Elisa Wüntscher

Heimat: Ein Konstrukt aus Erinnerungen, Zuschreibungen und Projektionen. Eine Idee, irgendwo zwischen der Fantasie von Zugehörigkeit und rechtem Kampfbegriff zur Abgrenzung, Ausgrenzung und Normierung.

In Heimatkörper erscheint Heimat als Geflecht aus Überlagerungen. Als Körper aus Erfahrungen. Als Archiv aus Stimmen. Hier trifft das Nachkriegskind, der Tänzer Karl Reinisch, auf seinen jungen Kollegen Sascha Paar. Beiden sind ihre Rollen abhanden gekommen: Der eine beendete gerade seine aktive Laufbahn als Tänzer, der andere hat sein Lebenswerk, die Grazer Ballettschule geschlossen. Was bleibt? Ein Ich ohne Etikett, ein Körper ohne Richtung? Der Bühnenraum wird zum Erinnerungsfeld, ein Terrain für zwei Körper mit all ihren Prägungen, Widersprüchen, Zuschreibungen, die langsam und tastend freigelegt werden. Texte erzählen von Erinnerungen, schreiben sich in die Körper ein und werden befragt auf ihren emotionalen, politischen und körperlichen Gehalt. So entsteht zwischen Ernst und Komik ein Archiv zweier Leben, eine Brücke zwischen den Generationen.

Den Sound zu Heimatkörper steuert die österreichische Künstlerin Ronja Klug bei. Aus Bildern und Texten der Performer entwickelt sie klangliche Atmosphären, die zusammen mit Field Recordings – akustische Spuren von für Paar und Reinisch biografisch wichtigen Orten – in die Komposition einfließen.

 Das Tanzprojekt Heimatkörper gibt keine Antworten. Es öffnet Spannungsräume. Es fragt, was bleibt, wenn Zuschreibungen brüchig werden – und was entsteht, wenn zwei Körper mit 50 Jahren Altersunterschied einander begegnen.


Dauer / Duration: ca. 60 Min
Sprache / Language: Deutsch / German

Am 13.6. findet der bgeleitende Workshop Heimatkörper in Bewegung mit Sascha Paar statt – mehr Infos hier /On 13 June, the accompanying workshop Heimatkörper in Bewegung with Sascha Paar will take place – more information here.

Hinweis für Allergiker*innen: Das Bühnenbild besteht zu großen Teilen aus Stroh / Note for people with allergies: The stage set consists largely of straw.


Home: A construct of memories, attributions, and projections. An idea, somewhere between the fantasy of belonging and a right-wing battle cry for demarcation, exclusion, and standardization.

In Heimatkörper, home appears as a web of overlaps. As a body of experiences. As an archive of voices. Here, the postwar child, the dancer Karl Reinisch, meets his young colleague Sascha Paar. Both have lost their roles: one has just ended his active career as a dancer; the other has closed his life’s work, the Graz Ballet School. What remains? A self without a label, a body without direction? The stage space becomes a field of memory, a terrain for two bodies with all their imprints, contradictions, and attributions, which are slowly and tentatively laid bare. Texts recount memories, inscribe themselves into the bodies, and are interrogated regarding their emotional, political, and physical content. Thus, between serious and comical, an archive of two lives emerges, a bridge between generations.

The sound for Heimatkörper is contributed by the Austrian artist Ronja Klug. Using images and texts from the performers, she develops sonic atmospheres that, together with field recordings—acoustic traces of places biographically significant to Paar and Reinisch—flow into the composition.

Heimatkörper offers no answers. It opens up spaces of tension. It asks what remains when attributions crumble—and what emerges when two bodies with a 50-year age difference encounter one another.

Kurzbiografien

Der Grazer Sascha Paar studierte an der Palucca Hochschule für Tanz Dresden und war bis 2023 Ensemblemitglied am Theater Chemnitz. 2023 zog er nach München und kehrte 2025 als aktiver Tänzer in Arbeiten von Johannes Härtl und Ceren Oran auf die Bühne zurück. Mit Heimatkörper startet er seine erste eigenständige Abendproduktion, die zugleich sein choreografisches Debüt in München darstellt.

https://www.saschapaar.com/


Karl Reinisch wurde in Wien zum Bühnentänzer ausgebildet. In den 1960er- und frühen 1970er-Jahren tanzte er an der Bayerischen Staatsoper unter der Leitung von John Cranko. Anfang der 1970er beendete er seine aktive Bühnenkarriere und gründete die Ballettschule Reinisch. 2025 kehrte er – nach fast fünfzig Jahren ohne öffentliche Auftritte – im Alter von über 80 Jahren auf die Bühne zurück.

Gefördert durch das Kulturreferat der Landeshauptstadt München, den BLZT – Bayerischer Landesverband für zeitgenössischen Tanz. Unterstützt durch HochX Theater & Live Art, STEFFEN SCHRAUT, das Österreichisches Generalkonsulat München und Tanztendenz München e.V. Besonderer Dank an Mag. Margret Hausegger und Tanz- Graz. Unterstützung Künstlerische Produktionsleitung Rat & Tat Kulturbüro sowie Treibstoff | Kostümfundus.