FREISCHWIMMEN meets RODEO

Doppelfestival für Tanz, Theater und Performance (7. – 15. Oktober 2022)

Die Auswahl für Rodeo 2022 steht fest!

Das HochX veranstaltet vom 7. – 15.10.2022 ein Doppelfestival der freien Szene in München: Freischwimmen meets Rodeo. Träger ist der Theater und Live Art München e.V., die künstlerische Leitung haben Antonia Beermann und Ute Gröbel inne.

Das Rodeo-Festival ist seit 2010 die wichtigste Plattform der freien darstellenden Künste in München. Es gibt Einblicke in die Vielfalt der Münchner Tanz- und Theaterszene, dient der Vernetzung der Kunstschaffenden lokal und überregional und setzt neue künstlerische Impulse.

Das Freischwimmen-Festival ist das biennale Festival des Freischwimmen-Netzwerks; einer internationalen Austausch-, Residenz und Produktionsplattform für junge Gruppen und Künstler*innen, in der acht freie Produktionshäuser aus dem deutschsprachigen Raum organisiert sind: brut Wien, FFT Düsseldorf, Gessnerallee Zürich, Schwankhalle Bremen, SOPHIENSÆLE Berlin, Theater Rampe Stuttgart, LOFFT Leipzig und HochX München.

Zum ersten und einzigen Mal in München

Freischwimmen meets Rodeo findet zu ersten und einzigen Mal als Doppelfestival in München statt. Das Festival steht unter dem Motto „Zusammenkommen“.

Denn mit Freischwimmen meets Rodeo kommen nicht nur zwei Festivals zusammen, sondern eine Vielzahl an Menschen unterschiedlicher Hintergründe, Interessen, Sichtweisen – künstlerischer wie nicht-künstlerischer. Es geht um das Bilden temporärer Gemeinschaften, um Formen und Feiern des Zusammenseins.

Das Programm besteht aus 9 Freischwimmen-Produktionen, 6 Rodeo -Produktionen und einem breiten Rahmenprogramm aus Diskursformaten, Workshops, Konzerten und Party. Hinzu kommt eine Kooperation mit dem ebenfalls im Programm Verbindungen fördern geförderten Netzwerk Festival & Friends, einem Zusammenschluss von 8 Festivals der freien Szene.

Die Aufführungen werden an unterschiedlichen Spielorten in München, darunter im HochX, Pathos und Schwere Reiter, stattfinden.

Die Rodeo-Auswahl

Für die 5 Rodeo-Produktionen gab es einen Open Call, auf den sich Münchner Künstler*innen aus allen Sparten der freien Darstellenden Künste mit ihren Produktionen bewerben konnten.

Die Ausschreibung stieß auf unerwartet große Resonanz: Insgesamt sind 46 Bewerbungen aus dem Bereich Tanz, Theater, Performance, Zeitgenössischer Zirkus, Kinder- und Jugendtheater sowie Musiktheater eingegangen.

Die Jury, bestehend aus Caroline Frölich (Gessnerallee Zürich), Tunay Önder (Münchner Künstlerin) und Ute Gröbel sowie Lionel Dante Dzaack (Netzwerk freie Szene München) in der Funktion als Beirat, hat aus diesen Bewerbungen sechs Produktionen für das Programm des Festivals ausgesucht. Sie lauten:

Rosalie Wanka & Kassandra Wedel: Visual Vibrations

Manasvini K. Eberl: Tasting Water

Lea Ralfs & Jan Geiger: Innuendo

Léonard Engel: Parotia

Klaudia Schmidt: Luft

Kolja Hunek: CM_30

Hier die Jurybegründungen:

Rosalie Wanka & Kassandra Wedel: Visual Vibrations

Poetische Gesten sind derzeit gefragter denn je. Kassandra Wedel und Rosalie Wanka begegnen der medialen Reizüberflutung mit einem performativen Gedicht: Visual Vibrations. Auf die Unmenge an Schlagwörtern, die in den Nachrichtenmedien tagtäglich auf uns einprasseln, liefern die beiden Künstler*innen eine beflügelnd schöne Antwort, in der Gebärdensprache und zeitgenössischer Tanz virtuos ineinanderfließen. Ausgestattet mit zwei Subwoofern, aus der denen basslastige Musik der Gruppe Uncertain Proportions ertönt und einer Laufschrifttafel, auf der Wortfetzen und Fragmente aus den Medien zu sehen sind, entwickeln Kassandra Wedel und Rosalie Wanka eine Sprache, die der Zunahme an Zeichen unserer Zeit angemessen ist: poetisch, humorvoll und erhebend.

Manasvini K. Eberl: Tasting Water

Tasting Water von der Tänzerin Manasvini K. Eberl stimuliert auf feine Weise die Sinne der Zuschauer*innen und nimmt sie mit in verschiedene Zustände von Wasser. Es ist beeindruckend, wie es der Künstlerin gelingt, durch Bewegungen des Körpers, Projektionen mit Lichteffekten, einem Sitzsack und Sound eine Illusion von Wasser zu schaffen, ohne tatsächliche Präsenz von Wasser auf der Bühne. Wir freuen uns, dass das Publikum die Möglichkeit bekommt, diese ebenso gelungene wie überzeugende Arbeit einer Künstlerin, die noch als Neuzugang in der Münchener Szene anzusehen ist, live beim Festival zu sehen.

Lea Ralfs & Jan Geiger: Innuendo

Um Erinnerungen, reale wie erfundene, geht es in Innuendo. Die Regisseurin Lea Ralfs hat sich mit dem Autor Jan Geiger zusammengetan, um die Biografie von Ralfs Großvater zu erkunden. Dieser starb, als sie noch klein war, an AIDS – kurz nach Freddie Mercury. Hans Ralfs war ein Mann mit vielen Identitäten: Nationalsozialist, Linker, Familienvater, frei-liebender Homosexueller und schließlich von der Gesellschaft stigmatisierter HIV-Kranker. Innuendo ist große Oper, intimes Kammerspiel und eine beeindruckende Auseinandersetzung mit Verschwiegenem, Vergessenem und Nicht-Erzähltem – von der NS-Vergangenheit bis zur Stigmatisierung queerer Menschen in der Gegenwart.

Léonard Engel: Parotia

Drei Tänzer*innen drehen sich um die eigene Achse – erst langsam, dann immer schneller; ihre bodenlangen Röcke bilden farbenfrohe Kreisel. Mehr braucht es nicht, um Léonard Engels Parotia („Paradiesvogel“) zu einem spektakulären Tanzabend zu machen. Man denkt an klassische Fouettés, an Bauhaustänze; aber auch an Sufi-Wirbel, Walzer und alpenländisches Dirndldrahn. Das abstrakt-sinnliche Geschehen zieht einen in seinen Bann, zugleich zwingt es einen zum Nachdenken über Tradition und kulturelle Aneignung. Wem „gehört“ der Drehtanz? Am Ende streifen die Tänzer*innen ihre Röcke ab und taumeln haltlos durch den Raum. Der Boden schwankt unter unseren Füßen.

Klaudia Schmidt: Luft!!

Eine überdimensionale Lunge, die spricht. Große Ventilatoren, die die Frisuren der Anwesenden durcheinanderwirbeln. So beginnt Luft!! – eine Produktion von neun Künstler*innen aus den unterschiedlichsten Sparten Münchens, die erstmals in dieser Formation für eine gemeinsame Arbeit zusammengekommen sind. Mit einer Reihe an Objekten, Sound Art und Tanz erschaffen die Künstlerin*innen eine schillernde Collage an zarten und brachialen, an poppigen und poetischen Bildern für etwas, das kaum zu greifen aber gleichzeitig allgegenwärtig ist. Eine performative Ode an den Stoff aller Stoffe, die definitiv frischen Wind auf die Bühne bringt.

Kolja Hunek: CM_30

Bei Zirkus denkt man meist an Clowns, Spektakel und Sägemehl. Anders im Zeitgenössischen Zirkus: hier werden die klassischen Techniken zum künstlerischen Ausdrucksmittel. Ein junger Protagonist dieser ebenfalls jungen Bewegung ist Kolja Hunek. Inmitten weißer Stoffbahnen, die an eine Halfpipe erinnern, erschafft er verblüffende Welten aus Licht, Farbe, Klang und Bewegung – nur mit Scheiben und Lampen. Aus Jonglage wird Konzeptkunst. CM_30 zelebriert die Entschleunigung, das Anti-Spektakel und ist – nicht zuletzt durch den kompletten Verzicht auf Sprache – zugänglich für Menschen jeden Alters oder kulturellen Hintergrunds. Eine aufregende Neuentdeckung für die freien darstellenden Künste in München.

Dieses Projekt wird gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien über das Programm „Verbindungen fördern“ des Bundesverbands Freie Darstellende Künste e.V. Gefördert durch das Kulturreferat der Landeshauptstadt München.