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Kristóf Kelemen, Tímea Török, Teresa Lucia Rosenkrantz
Drive

Lambert Strehlke
Seit den 1990er Jahren wächst die Präsenz deutscher Automobilkonzerne in Ungarn. Die Autoindustrie wurde zum zentralen Symbol eines komplexen kapitalistischen Systems, das unseren Alltag prägt. Das Fließband steht niemals still, das Tempo steigt unaufhörlich, Leistung wird optimiert. Alle zwei Minuten verlässt ein Auto die Fabrik, alle zwei Monate feiert eine neue Theaterproduktion Premiere. Konsum schafft Arbeitsplätze, die den Konsum weiter ankurbeln, während die soziale Schere immer weiter auseinanderklafft.
Ein Schauspieler und zwei Arbeiter*innen aus deutschen Premium-Automobilfabriken in Ungarn richten ihren Blick auf dieses Gefüge. Drei persönliche Geschichten treffen auf der Bühne aufeinander und eröffnen neue Perspektiven auf Arbeit, Gemeinschaft und Zugehörigkeit. Kann es in diesem Zustand permanenter Beschleunigung bereits ein Akt von Solidarität und Widerstand sein, sich Zeit zu nehmen, einander kennenzulernen – und sich in die Lage des anderen hineinzuversetzen?
Nach dem großen Erfolg von Hungarian Acacia, das 2019 im Rahmen von SPIELART im HochX gezeigt wurde, ist nun an den Tagen vor der ungarischen Parlamentswahl die Deutschlandpremiere von Drive am HochX zu sehen.
Dauer / Duration: 80 min (ohne Pause / no intermission) & 60 min gathering
Sprache / Language: Ungarisch (mit deutschen und englischen Übertiteln) / Hungarian (with German and English surtitles)
Im Anschluss an die Vorstellung am 10.4. findet ein Expert*innengespräch über Solidarität und Handlungsspielräume in autoritären Zeiten statt. Wir fragen: Wie verändern sich demokratische Strukturen unter autoritärem Druck? Wie lassen sich künstlerische und zivilgesellschaftliche Handlungsspielräume bewahren? Und wie können wir solidarische, auch transnationale Netzwerke stärken, um Demokratie und Kunstfreiheit zu verteidigen? Ein Gespräch über autoritären Druck, Verantwortung – und darüber, wie wir gemeinsam handlungsfähig bleiben.
Following the performance on April 10, there will be a panel discussion with experts on solidarity and scope for action in authoritarian times. We ask: How do democratic structures change under authoritarian pressure? How can we preserve the scope for action in the arts and civil society? And how can we strengthen networks of solidarity, including transnational ones, to defend democracy and artistic freedom? A conversation about authoritarian pressure, responsibility – and how we can remain capable of taking action together.
Mit: Kristóf Kelemen, Teresa Lucia Rosenkrantz, Christiane Huber, Cathrin Kahlweit
Moderation: Dr. Enikő Dácz
Since the 1990s there has been a growing presence of German automotive corporations in Hungary, while the car industry itself has become a core symbol of the highly complex capitalist system. It shapes all of our lives. The assembly line never stops, the pace keeps increasing, and our performance is continuously being optimised. Every two minutes, a car leaves the factory; every two months, a new theatre production premieres. Consumption creates jobs that further fuel consumption, while the gap between social classes continues to widen. An actor and two union workers from two German premium car factories operating in Hungary turn their gaze toward this structure. Three personal stories that now intersect. In this state of constant acceleration, could it already be an act of solidarity and resistance to take time to get to know one another—and to imagine ourselves in someone else’s position?
Kurzbiografien
Teresa Lucia Rosenkrantz ist freischaffende Regisseurin und Theatervermittlerin. Ihre partizipativen, inklusiven Arbeiten entstehen an der Schnittstelle von Performance, Community Art und kollektiver Praxis. Sie untersuchen soziale Machtverhältnisse sowie Fragen von Zugänglichkeit, Solidarität und kollektiver Verantwortung und werden in unterschiedlichen institutionellen und freien Kontexten gezeigt, u. a. am Thalia Theater Hamburg, auf Kampnagel, am Klabauter Theater sowie im Rahmen der Jungen Triennale / Ruhrtriennale. Als Mitbegründerin des feministischen bright future kollektivs verbindet sie künstlerische Forschung mit transgenerationellen, kollaborativen Arbeitsweisen.
Kristóf Kelemen ist Theaterregisseur, Dramatiker und Dramaturg. Seine recherchebasierten, dokumentarischen Arbeiten untersuchen kollektives Gedächtnis, Arbeiter*innenrealitäten und den rechten Populismus und wurden international auf Festivals gezeigt, zum Beispiel seine postfaktische dokumentarische Theaterperformance Hungarian Acacia (zusammen mit Bence György Pálinkás) wurde unter anderem zum Spielart Festival eingeladen. Er verbindet künstlerische Forschung mit gesellschaftlichem Engagement und kollaborativen Arbeitsweisen.
Tímea Török arbeitet in Budapest im Bereich Applied Theatre und partizipativer Kunst. Sie initiiert Community-Projekte, Debattenformate und kollaborative Performances zu sozialen Fragen und entwickelt künstlerische Prozesse gemeinsam mit unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen.
Goethe-Institut (Internationaler Koproduktionsfonds), Freie und Hansestadt Hamburg Behörde für Kultur und Medien, Staféta Programm, Stadtverwaltung der Hauptstadt Budapest, FÜGE Produktion, SzínMűHely Stiftung, Next Stage+, Co-founded by the European Union.