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Lulu Obermayer
Schwester

Julian Baumann
Schwester ist ein Musiktheaterprojekt von Lulu Obermayer über Schwesternschaft, Gemeinschaft und die jahrhundertealte Praxis von Spiritualität, Wissen und gemeinschaftlichen Lebensformen in Frauenklöstern. Im Zentrum stehen Modelle des Zusammenlebens, die Frauen über Jahrhunderte eine Alternative zu Ehe und familiären Verpflichtungen boten und Räume von Bildung, Autonomie und Solidarität eröffneten. Ausgehend von Giacomo Puccinis Suor Angelica und Francis Poulencs Dialogues des Carmélites arbeitet die Performance mit den musikalischen Strukturen und Libretti der Opern und verschränkt Stundengebet, liturgische Gesänge und die Klangwelt der Klöster mit elektronischer Musik von Pantha Du Prince.
Die Arbeit verbindet das Opernmaterial mit historischen Quellen und autobiografischen Schriften von Ordensschwestern und ist geprägt von Obermayers eigener Nähe zu klösterlichen Räumen – einer Schulzeit an einer Klosterschule und wiederholten Aufenthalten in Klöstern. Im Austausch mit Ordensfrauen, insbesondere den Zisterzienserinnen von Kloster Mariazell, entstehen musikalische, soziale und spirituelle Linien, die die Opernvorlagen neu rahmen. In Schwester rückt ein Lebensraum in den Vordergrund, der aus dem öffentlichen Blick geraten ist und dessen überlieferte Formen von Gemeinschaft, Fürsorge und Widerstandskraft bis heute weiterwirken. Die Performance untersucht einen historischen und zugleich gegenwärtigen Frauenraum, der ästhetische, politische und spirituelle Resonanz entfaltet.
Sprache / Language: Deutsch / German
Dauer / Duration: ca. 70 min
Nach der Vorstellung am 2.3. findet ein Publikumsgespräch mit Lulu Obermayer und Bastian Zimmermann statt / Following the performance on 2 March, there will be a discussion with Lulu Obermayer and Bastian Zimmermann.
Schwester is a music-theatre project by Lulu Obermayer that explores sisterhood, community, and the centuries-old practices of spirituality, knowledge, and communal life in women’s monasteries. At its center are forms of living together that, for hundreds of years, offered women an alternative to marriage and familial obligations, opening spaces of education, autonomy, and solidarity. Drawing on Giacomo Puccini’s Suor Angelica and Francis Poulenc’s Dialogues des Carmélites, the performance works with the musical structures and libretti of the operas, weaving together the Liturgy of the Hours, monastic chant, and the acoustic world of the cloister with electronic music by Pantha Du Prince.
The work links the operatic material with historical sources and autobiographical writings by nuns, and is shaped by Obermayer’s own proximity to monastic contexts — a childhood spent at a convent school and repeated stays in monasteries. In dialogue with nuns, particularly the Cistercian community of Kloster Mariazell, musical, social, and spiritual lines emerge that reframe the operatic originals. Schwester brings into focus a way of life that has slipped from public view, whose inherited forms of community, care, and resilience continue to resonate. The performance examines a historic and contemporary women’s space in which aesthetic, political, and spiritual dimensions converge.
Kurzbiografien
Lulu Obermayer (*1989, München) arbeitet an der Schnittstelle von Performance, Oper, Theater und Choreografie. In ihren Arbeiten verbindet sie Theater- und Operngeschichte mit autobiografischen Setzungen und untersucht Fragen nach Handlungsfähigkeit, Repräsentation und Darstellbarkeit auf der Bühne. Der europäische Kanon fungiert dabei als Ausgangspunkt ihrer Arbeit, von dem aus sie dominante Narrative verschiebt und unsichtbar gemachte Perspektiven sichtbar macht.
2025 entwickelte und spielte sie gemeinsam mit Rachel Troy die Performance Rachel und ich, die im HochX uraufgeführt wurde und anschließend am Theater Rampe (Stuttgart) sowie an den Sophiensælen (Berlin) gezeigt wurde. Die Produktion war zum Festival radikal jung eingeladen und wurde dort mit dem Publikumspreis ausgezeichnet. Im selben Jahr realisierte Obermayer mit Kantate eine ortsspezifische Musikinstallation in der Nürnberger Kirche St. Egidien, ein Auftragswerk für die Musikinstallationen Nürnberg. Darüber hinaus war sie 2025 Jurymitglied des Experimental Theatre Festival in Vietnam und unterrichtete an der Hanoi University of Theatre and Cinema. Sie ist Mentorin der 10. Edition der Forecast Platform (2025/26). Mit dem Solo Lulu (2023) widmete sie sich Fragen von Namensgebung, Zuschreibung und weiblichen Projektionsflächen. Zu ihren jüngeren Arbeiten zählen außerdem Agoraphobia (2023), das den Steirischen Herbst auf dem Schlossberg in Graz eröffnete und sich mit Männlichkeitsbildern in der Oper auseinandersetzt, sowie die achtstündige Performance (a kind of) Requiem (2023) nach Johannes Brahms’ Ein deutsches Requiem, die beim Buzzcut Festival in Glasgow uraufgeführt und anschließend in Zürich, Genk und St. Truiden gezeigt wurde. Mit Backstage (Theater am Neumarkt, Zürich 2023), einem Duett über das Cabaret Pfeffermühle und Exil, sowie der Solo-Performance EXILE (2023) vertiefte Obermayer ihre Auseinandersetzung mit Theatergeschichte und politischer Erinnerung. Bereits zuvor entstanden die achtstündige Performance Frauenliebe und Leben (2022) nach Robert Schumanns Liederzyklus sowie das Solo Death Valley Junction (2022) über die Tänzerin Marta Becket. Zentrale frühere Arbeiten sind eine Trilogie auf Grundlage von Opern Giacomo Puccinis: Tosca (2016), Manon Lescaut (2017) und The Girl(s) of the Golden West (2018) , sowie L’Opra Fatale (2020), eine Performance über weibliche Täterfiguren, die an der Oper Graz uraufgeführt wurde.
Nach ihrer Schauspielausbildung an der Professional Performing Arts School, dem Lee Strasberg Institute und dem Stella Adler Studio in New York City studierte Lulu Obermayer Contemporary Performance Practice am Royal Conservatoire of Scotland sowie Dramaturgie an der Hochschule für Musik und Theater Leipzig. Ihren Masterabschluss erlangte sie 2017 im Studiengang Solo Dance and Authorship am Hochschulübergreifenden Zentrum für Tanz (HZT) in Berlin.
Obermayers Arbeiten wurden international gezeigt, unter anderem beim Steirischen Herbst (Graz), am Theater Neumarkt (Zürich), bei DeSingel (Antwerpen), beim O.Festival (Rotterdam), beim Buzzcut Festival (Glasgow), an den Sophiensælen und am HAU2 (Berlin), am Theater Rampe (Stuttgart), an den Münchner Kammerspielen, im HochX (München), am Highways Performance Space (Los Angeles) sowie beim Batard Festival (Brüssel).
Gefördert durch das Kulturreferat der Landeshauptstadt München und den Fonds Darstellende Künste aus Mitteln des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.