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ox&öl / Ailís Ní Ríain & Julie Herndon

Hidden Heartache

Musiktheater in Körpersprache / A music theatre piece in body language

Das Bild zeigt die Darsteller*innen in einem Probenraum mit schwarzem Tanzboden. Alle sind in Bewegung, in einer körperlichen Verbindung miteinander. Im Hintergrund steht ein schwarzer Flügel.

Michelle Ettlin

Hidden Heartache befragt musikalische Wahrnehmung aus nicht-hörender Perspektive und rückt damit den Ursprung von Bewegung ins Zentrum. Zwischen Konzertflügel und tanzendem Körper, zwischen Vibration und Geste ereignet sich Klang nicht nur in der Luft, sondern auch durch schwingende Körper. Zwei Taube* und zwei hörende Performer*innen entwickeln in ihrer Bewegung ein Geflecht visueller Rhythmen. Musik und Tanz stehen dabei in einem fortlaufenden Prozess gegenseitiger Formung und Neuausrichtung. Wann wird aus Tanz Musik und wann wird Musik zu Tanz? Die Produktion des Schweizer Kollektivs ox&öl in Kollaboration mit der Choreografin Lee Méir, nutzt Körperschallwandler, um Musik physisch erlebbar zu machen. Die Kompositionen von Ailís Ní Ríain und Julie Herndon – aus Tauber wie hörender kompositorischer Perspektive heraus entwickelt – entfalten sich durch die Bewegungen der Körper. Hidden Heartache entwirft einen gemeinsamen Erfahrungsraum, in dem Hören als körperliche Erfahrung erscheint und sich Musik als Choreografie von Resonanz zeigt.

* „Taub“ (bei Verschriftlichung mit großem Anfangsbuchstabe) ist die in Deutschland gebräuchliche positive Selbstbezeichnung nicht hörender Menschen – unabhängig davon ob sie gehörlos, resthörig oder schwerhörig sind


Dauer / Duration: ca. 70 min (ohne Pause / without intermission)
Sprache / Language: keine Sprache / no speech

45 Minuten vor jeder Vorstellung findet eine Einführung statt / An introduction takes place 45 minutes before each performance.


Hidden Heartache reflects on the experience of music from a non-hearing perspective and asks where does movement begin? Between a grand piano and a dancing body, between vibration and gesture, sound travels not only through air but through resonant bodies. Visual rhythms arise through the movement of two Deaf* and two hearing performers, where music and dance continuously reshape one another. At what point does dance become music, and music becomes dance? Created by the Swiss collective ox&öl in collaboration with choreographer Lee Méir, the piece uses body-sound transducers to make music physically tangible. Compositions by Ailís Ní Ríain and Julie Herndon, approached from Deaf and hearing compositional perspectives, unfold through moving bodies. Hidden Heartache opens a shared sensory field in which listening becomes a full-body experience, and music reveals itself as a choreography of resonance.

* ‘Deaf’ (written with a capital letter) is the positive self-designation commonly used in English by people who cannot hear – regardless of whether they are deaf, have residual hearing or are hard of hearing.

Kurzbiografien

Seit 2010 arbeiten der Regisseur Philip Bartels und die Pianistin Simone Keller kontinuierlich zusammen und leiten seit 2014 gemeinsam das Kollektiv ox&öl, das Projekte im experimentellen Musiktheaterbereich und partizipative Vermittlungsangebote organisiert und durchführt, bei denen Diversität und Inklusion ein selbstverständlicher Teil der künstlerischen Praxis sind. So hat ox&öl beispiels­weise über mehrere Jahre hinweg unter dem Titel ‚piccolo concerto grosso‘ ein generationenübergreifendes Projekt für Kinder aus multi­kulturellen Schulhäusern und Seniorinnen und Senioren in der Zürcher Tonhalle und im Grossen Saal des KKL Luzern lanciert, ein Sprechmusiktheater mit konkreter Poesie für Kinder und Stellensuchende auf die Bühne gebracht und über mehrere Jahre ein kollaboratives Konzertformat für jugendliche Straftäter im Justiz­vollzug ausgearbeitet und durchgeführt.

Der Name ox&öl bezieht sich auf die experimentelle Lyrik von Ernst Jandl, der in seinem Minidrama «essen. ein stück mit aufblick» einen Dialog ausschließlich aus einsilbigen Wörtern konstruiert, dabei eine banale Alltags-Szene poetisch überhöht und Unsinn und Tiefsinn ganz eng mit­einander verbindet. Ausserdem steht der ox symbolisch für die Anstrengungen und das öl für die Leichtigkeit in der Kunst und bringt die Ambivalenzen kreativer Prozesse zusammen.

Eine Koproduktion der Münchener Biennale mit ox&öl (CH). In Kooperation mit dem HochX Theater und Live Art. Kompositions- und Librettoauftrag der Landeshauptstadt München zur Münchener Biennale mit freundlicher Unterstützung der Forberg-Schneider-Stiftung.