Der taktische Körper

Der taktische Körper bezeichnet eine Einheit von Truppen oder einzelnen Soldaten, die während Einsätzen – insbesondere im Kampf – als geschlossene Gruppe zusammenarbeiten. Dieses Konzept, das bereits in die Antike datiert wird, erreichte seinen Höhepunkt in der frühen Neuzeit. Zahlreiche historische Beispiele belegen die Wirksamkeit dieser Kriegsstrategie, bei der jeder Einzelne für den gemeinsamen Erfolg verantwortlich ist.

Eine bekannte Form des taktischen Körpers ist die Phalanxformation. In einer Phalanx schützt jeder Soldat seinen Nachbarn mit seinem Schild und seiner Waffe. Die Soldaten stehen so dicht beieinander, dass sie sich nicht frei bewegen können. Durch die Phalanxformation geben die Kämpfer bereitwillig ihre wichtigste Überlebensgarantie – die Freiheit des individuellen Handelns – auf und tragen stattdessen zum Wohlergehen der gesamten kämpfenden Einehit bei. Der Einzelne muss nicht ein außerordentlicher Soldat sein, er muss lediglich für das Wohl der gesamten Einheit agieren. Dieser Ansatz veranschaulicht eine radikale Form der Zusammenarbeit, bei der perfekte Harmonie, ein bestimmter Rhythmus und gegenseitiges Vertrauen unerlässlich sind, um den Sieg zu erringen und Gefahren zu überwinden – kurz gesagt, um zu überleben. Die Schaffung eines effektiven taktischen Körpers kann nicht spontan erfolgen, sondern erfordert umfangreiches Training.

Die älteste Aufzeichnung über den Ursprung der taktischen Formation stützt eine Legende, die bei Polyaenus zu finden ist: „Als die Herakliden gegen Sparta kämpften, wurden sie mitten in ihren Opferritualen von ihren Feinden überrascht. Sie ließen sich jedoch nicht in Panik versetzen, sondern befahlen ihren Flötenspielern, vorwärts zu marschieren. Die Hopliten marschierten weiter, begleitet von Melodie und Rhythmus, und brachen ihre Reihen nicht auf; so besiegten sie ihre Feinde.“ (Hans Delbrück: Warfare in Antiquity.)

Heute werden taktische Körper im ursprünglichen Sinne nicht mehr in der Kriegsführung eingesetzt. Infanteristen, die mit ausreichend präzisen Waffen ausgerüstet sind, sind in der Regel als Einzelpersonen effektiver. Einzelne Körper sind von ihren persönlichen Fähigkeiten, ihrer Ausrüstung und der Leistungsfähigkeit der Technologie abhängig. Unsicher, allein, oft nicht ausreichend ausgebildet, um dem Druck, der Gefahr und dem Schrecken der heutigen Welt zu trotzen.

Unser Tactical Body greift auf die alte Kriegskunst zurück und ermöglicht es uns, schwierige Zeiten nicht als Einzelpersonen, sondern gemeinsam zu verstehen und zu überstehen, indem wir Fähigkeiten erlernen, die wir nicht lernen wollen, und solche suchen, die wir uns nicht einmal vorstellen können.

„Wir“ sitzen alle im selben Boot, aber wir sind nicht ein und dasselbe.
R. Braidotti

Tactical Body

A tactical body refers to a unit of troops or individual soldiers who work together as a cohesive group during operations, especially in combat. This concept, which dates back to early antiquity, reached its peak in the early modern period. Numerous historical examples demonstrate the effectiveness of this war strategy, where each individual is accountable for the collective success.

A well-known type of Tactical Body is the formation of a phalanx. In a phalanx, each soldier protects their neighbour with their shield and weapon. The soldiers stand so close together that they are unable to move freely. By adopting the phalanx formation, fighters willingly relinquish their most essential guarantee of survival—the freedom of individual action—contributing instead to the well-being of the entire fighting community. An individual does not need to be the most skilled soldier; they simply must operate within the framework of the whole unit. This approach exemplifies a radical form of collaboration in which perfect harmony, specific rhythm, and mutual trust are essential to achieving victory and overcoming dangers—in short, to survive. Creating an effective tactical body cannot be done spontaneously; it requires extensive drill and training. 

The oldest record on the origin of the tactical body supports a legend found in Polyaenus: “When the Heraclidae were fighting against Sparta, they were surprised in the middle of their sacrifices by their enemies. They did not allow themselves to panic, however, but ordered their pipers to march forward. The hoplites marched on, accompanied by melody and rhythm and did not break their ranks; this was how they conquered their enemies.” (Hans Delbrück: Warfare in Antiquity.)

Today, tactical bodies in the original sense are no longer used in warfare. Infantry equipped with sufficiently accurate weapons is generally more effective as individuals. Individual bodies are dependent on their personal abilities, their equipment and the strength of technology. Unsafe, alone, often not enough trained to challenge the pressure, danger, horror of the contemporary world. 

Our Tactical Body draws upon the ancient art of war, enabling us to understand and survive difficult times not as individuals but together by learning skills we don’t want to learn and seeking those we can’t even imagine.

“We” Are In This Together, But We Are Not One and the Same. R. Braidotti