Sandra Chatterjee

SMELLS OF RACISM

In deutscher und englischer Sprache

© Team SMELLS OF RACISM

Konzept und improvisatorische Choreographie: Sandra Chatterjee | Performance: Jaskaran Singh Anand, Sandra Chatterjee, Suzette Sagisi, Theresa Seraphin, Duduzile Voigts | Text: Sandra Chatterjee und Theresa Seraphin in Zusammenarbeit mit Jaskaran Singh Anand, Suzette Sagisi, Duduzile Voigts | Dramaturgie: Theresa Seraphin | Musik: Kanishka Sarkar | Kostüme: Constanze Knapp | Szenografie: Jezi Tay | Video: Amit Biswas & Team; Mayukh Chakrabarty (Vid:1); Arko Mukhaerjee, Ashram (Berlin/Kolkata; findmyashram.com); Postproduktion: Sayan Ghosh Goopy Bhaga Prod.Ltd. (Dhaka) | Illustration: Avirup Basu | Philosophischer Input: Dr. André Grahle | Licht: Andi Kern | Produktion: Veronika Wagner | PR: Miriam Boppel | Assistenz und Social Media: Lucia Rossi

 

Rassismus hat seit langem eine olfaktorische Seite. So behauptete beispielsweise Immanuel Kant eine direkte Verbindung zwischen Körpergeruch und Hautfarbe. Auch heute noch berichten Menschen von Beschwerden wegen „unangenehmer“ und „zu intensiver“ Gerüche. So sehr Gerüche im Kontext von Rassismus relevant sind, so sehr gibt es in unterschiedlichsten kulturellen Praktiken rituelle und spirituelle Bedeutungen und Verwendungen von Düften. An dem Punkt der rassistischen Abwertung einerseits und der (auch kulturell) heilenden Kraft von Gerüchen andererseits setzt die installative Performance SMELLS OF RACISM an.

 

Die Choreographin, Tänzerin und Wissenschaftlerin Sandra Chatterjee beschäftigt sich seit mehr als 2 Jahren mit kulturellen Dimensionen von Gerüchen. Sie ist Teil der aktuellen Auswahl der internationalen Austausch- und Produktionsplattform FREISCHWIMMEN, zu der seit 2020 auch das HochX gehört. FREISCHWIMMEN bietet mit Residenzen, Workshop-Showings und Gastspielen und Labs einzelne Module, die je nach den Bedürfnissen der Künstler*innen und Kapazitäten der Häuser unterschiedlich kombiniert werden können. Nach Residenzen an den Sophiensælen (Berlin) und brut (Wien) wird das Projekt SMELLS OF RACISM jetzt in München uraufgeführt.

 

Als Besucher*innen sind Sie eingeladen, sich frei durch die Installation zu bewegen und die Performance durch persönliche Gespräche mit den Performer*innen, Notizen oder körperliche Interaktion aktiv mitzugestalten.

 

15.7. | 16.7. | 17.7. | 18 Uhr und 20.30 Uhr | Karten: 18 € / 10 € erm.

 

ausverkauft

 

Eine Koproduktion von Sandra Chatterjee und FREISCHWIMMEN, die Produktionsplattform für Performance und Theater, getragen durch brut Wien, FFT Düsseldorf, Gessnerallee Zürich, HochX Theater und Live Art München, LOFFT Leipzig, Schwankhalle Bremen, SOPHIENSÆLE Berlin und Theater Rampe Stuttgart, unter Geschäftsführung der SOPHIENSÆLE GmbH, ermöglicht im Rahmen des Programms „Verbindungen fördern“ des Bundesverbands Freie Darstellende Künste, gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Mit freundlicher Unterstützung durch das Kulturreferat der Stadt München und durch den Fonds Darstellende Künste aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Dieses Projekt wird ermöglicht durch den Bayerischen Landesverband für zeitgenössischen Tanz (BLZT) aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst.

 

 

Hintergrundinfos zum Projekt

 

Geruch und Rassismus

Rassismus hat seit langem eine olfaktorische Seite, die allerdings (zu) selten Beachtung findet. Der Geist des Rassismus wie wir ihn bis heute verstehen, spukt mindestens seit der europäischen Aufklärung. So artikulierte beispielsweise einer der berühmtesten Philosophen dieser Zeit, Immanuel Kant, eine direkte Verbindung zwischen schlechtem Körpergeruch und dunkler Hautfarbe. Bis heute ist der Konnex von kulturellen Unterschieden und Gerüchen nicht gefeit vor rassistischen Zuschreibungen. Betroffene berichten von Beschwerden der Nachbarn wegen „unangenehmer“ und „zu intensiver“ Gerüche, von erschwerter Wohnungssuche auf Grund der „exotischen“ Küche, oder auch direkten Beleidigungen aufgrund von angeblich unangenehmen Körperdüften. 1990 entschied beispielsweise das Verwaltungsgericht Hannover, dass ein Übergangsheim für Geflohene aufgrund der von ihnen ausgehenden „Immissionen” sowie „ihre gänzlich unüblichen Gewohnheiten, Lebensstile, Familiengröße“ den Nachbarn nicht zuzumuten seien.  Erst 2019 brachte die Modemarke Dior ein Parfüm mit dem Namen Sauvage auf den Markt, in dessen Produkt-Clip die Modells (u.a. Johnny Depp) in der indigenen Kleidung der Native Americans nachempfundenen Outfits durch die Red Rocks streift und die „Wildnis” beschwört. Und im Jahr 2020, nach dem Mord an dem schwarzen Amerikaner George Floyd, schildert Dipankar Mukherjee vom Pangea World Theater, das sich in unmittelbarer Nähe des Orts der Gewalt in Minnesota befindet, eindrücklich den verbrannten Geruch im Zuge der Unruhen infolge des Mordes - als „smell of injustice“.

So sehr Gerüche im Kontext des Rassismus relevant sind, so sehr gibt es in unterschiedlichsten Religionen und kulturellen Praktiken zahlreiche rituelle und spirituelle Bedeutungen und Verwendungen von Düften, bei denen die Vertreibung des Bösen oder der Schutz vor bösen Geistern zentral ist. Ein Beispiel ist hier z.B. Weihrauch (Frankincense oder Boswellia), der sowohl für seine heilenden als auch reinigenden und schützenden Wirkungen weithin Verwendung findet: beispielsweise heißt es im Oman nicht nur, dass der Weihrauch heilend auf den Körper wirkt - richtig geräuchert, so der Glaube mancher, schützt er auch vor bösen Geistern/oder Djinns. An dem Punkt der rassistischen Deutung von Gerüchen einerseits und der (auch kulturell) heilenden Kraft von Gerüchen andererseits setzt SMELLS OF RACISM an.

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