GRENZGÄNGER

9. Inklusives Theaterfestival

 

Inklusion, auf künstlerische Art gelebt: Beim 9. Grenzgänger- Festival des TamS treten Künstler mit Behinderung auf, die sich von ihrem vermeintlichen Anderssein nicht einschränken lassen. Im Gegenteil – sie präsentieren hervor- ragende Auftritte.

Teatro la Ribalta (Bozen)

Personaggi

Tanztheater von Antonio Viganò und Julie Anne Stanzak frei nach Luigi Pirandellos Sechs Personen suchen einen Autor

© Erika Raffeiner

Mit Michele Fiocchi, Rodrigo Scaggiante, Daniele Bonino, Jason de Majo, Maria Magdolna Johannes, Michael Untertrifaller, Mathias Dallinger | Regie: Antonio Viganò | Choreografie: Julie Anne Stanzak

 

In Pirandellos Sechs Personen suchen einen Autor tritt eine sechsköpfige Familie auf die Bühne und unterbricht die Proben. Ihr Autor hat ihr Leben noch nicht zu Ende geschrieben, er hat das Interesse an ihnen verloren. Die sechs Personen sehen sich als Bühnengeschöpfe – Rollen, die nach Vollendung und Gestaltung verlangen. In der Bearbeitung des Teatro la Ribalta wollen die „Eindringlinge“ keine Rollen übernehmen, sondern sie selbst sein: Menschen aus Fleisch und Blut, unfähig sich in irgendeiner Weise zu definieren. Andere haben sie in eine Form gedrängt, die ihnen fremd ist. Dieses Gefühl des Fremdseins betrifft nicht nur Menschen, die als „anders“ wahrgenommen werden, sondern jeden von uns.

 

Die Genossenschaft Akademie der Vielfalt – Teatro la Ribalta wurde 2013 gegründet und ist ein in Italien einzigartiges Modell, um Ausgrenzung entgegenzuwirken und den Beteiligten eine berufliche und soziale Identität zu ermöglichen. Die Gruppe entwickelt Theaterprojekte für Kinder und Jugendliche, und die SchauspielerInnen bringen ihr künstlerisches Potential mit Leidenschaft zum Ausdruck, sie tanzen ihre Einzigartigkeit mit Poesie und spielen mit überzeugender Glaubwürdigkeit. Mit ihren kraftvollen und berührenden Inszenierungen ist die Gruppe regelmäßig zu Gast bei Festivals und hat dafür bereits mehrere Auszeichnungen erhalten.

 

Eine Koproduktion mit der Lebenshilfe Südtirol

 

19.03. | 19.30 UhrPersonaggiKarten 20 | 10 €

Michael Turinsky (Wien)

heteronomous male

Soloperformance

© Lukas Zavalia

Choreographie, Tanz, Bühne und Text: Michael Turinsky | Kostüm: Devi Saha | Musik: Ben Frost

 

Was mag es, vor allem in kinästhetischer Hinsicht, bedeuten, ein Mann zu sein und zugleich fremdbestimmt durch Abwesendes? Spielerisch changierend zwischen der Eigengesetzlichkeit des behinderten Körpers einerseits und der Gesetzeskraft von Choreografie und Sozietät andererseits, schwankend zwischen Eros und Hilflosigkeit, zwischen der Position des Kindes und der des erwachsenen Mannes, oszillierend zwischen Ernst und Ironie, zwischen Sinnlichkeit und Intellektualität, erkundet Michael Turinsky in heteronomous male die grundlegenden identitätsbestimmenden Achsen desjenigen Feldes, auf dem er sich als behinderter Mann und Tänzer bewegt.

 

Michael Turinsky lebt und arbeitet als Choreograf, Performer und Theoretiker in Wien. Sein Interesse gilt zum einen der eingehenden Auseinandersetzung mit der spezifischen Phänomenologie des als „behindert“ markierten Körpers, dessen spezifischem In-der-Welt-seins, dessen Verhältnis zu Zeitlichkeit und Rhythmus, Affekt und Affektproduktion, Geschlecht und Sexualität, Sichtbarkeit und Undurchsichtigkeit; und zum anderen der rigorosen Auseinandersetzung mit Diskursen rund um die produktive Spannung zwischen Politik und Ästhetik.

 

20.03. | 19.30 Uhrheteronomous maleKarten 20 | 10 €

Teatro Fringe (Terni)

7 tipi d'Amore

© Roberto Pileri

Mit Fabio Barbarossa, Alessio Bernardini, Martina Barboni, Fabrizio Cavallari, Eugenia Pileri, Matteo Madolini, Irene Raggi, Laila Santirosi | Konzept und Regie: Sabina Proietti | Licht: Gianluca Conti

 

Was wir als positiv oder negativ, als gut oder böse empfinden, beruht auf vorgefertigten, kulturellen Denkmustern. Doch was ist wirklich wichtig für ein erfülltes Leben, und wie erreichen wir es?

 

Wir sehen sieben Schauspieler in sieben Bildern, die sich an die sieben Aspekte des Lebens anlehnen und der orientalischen Chakrenlehre entstammen: Das erste Bild behandelt den territorialen, materiellen Aspekt, das zweite den sexuellen und reproduktiven, das dritte schließlich den gesellschaftlichen Aspekt des Lebens. Der vierte Aspekt thematisiert die Familie und ihre Beziehungen, der fünfte die Kreativität. Die letzten beiden Bilder gehören in die Sphäre des Geistigen: der sechste Aspekt widmet sich der Fähigkeit der Fantasie, während der siebte und letzte der Unendlichkeit und dem Göttlichen zugeeignet ist.

Die theatrale Reflexion über die sieben Aspekte des Lebens bildet eine Metapher für die Entwicklung jedes Einzelnen als körperlich, seelisch und geistig einzigartiges Wesen.

 

Teatro Fringe wurde in Terni/ Italien von der Kunsttherapeutin und Regisseurin Sabina Proietti gegründet. Die Gruppe experimentiert mit neuen Formen von Beziehungen und Sprache, erforscht die Kreativität jedes Einzelnen und die Vielfalt der Individuen. Grenzen werden erweitert. Eine neu erfundene Welt entsteht: das einzig glaubwürdige Theater, in dem der Körper nicht mehr lügen kann.

 

Kuratiert vom Kulturreferat der Stadt Narni

 

21.03. | 19.30 Uhr7 tipi d'AmoreKarten 20 | 10 €

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