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Statements zu unserem Start: Produktionsmittel

31.03.2016

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[29.03.16, 19:42:31] Benno Constantin Heisel: Hi Ute, hier mein Text über Produktionsmittel.
Mach doch noch was Social-Meida

[29.03.16, 19:42:39] Benno Constantin Heisel: *social-media-Geeignetes davor.

[29.03.16, 19:43:15] Benno Constantin Heisel: Merci.

[29.03.16, 19:44:24] Ute Catrin Gröbel: Fertig.

Man kann nicht über künstlerische Arbeit sprechen, ohne über Produktionsmittel zu sprechen. Wenn wir diesen Begriff benutzen, meinen wir all das, was jenseits individueller Arbeit eine Voraussetzung für die Entstehung eines Werkes ist. Beispielsweise Räume, Know-How, Werkzeuge, Infrastruktur, Geld. Mehr und bessere Produktionsmittel zur Verfügung zu haben bedeutet größeren Spielraum für Gestaltung und Kreativität.

So elementar diese Aussage wirken mag, so groß ist auch die Notwendigkeit, sie wieder und wieder zu bekräftigen.

Wir werden die Produktionsmittel für die freie Szene in dieser Stadt verbessern, um für mehr künst-lerische Freiheit und bessere Arbeitsbedingungen zu sorgen. Das haben wir uns zum Ziel gesetzt. Diese Verbesserung soll dazu führen, dass nicht mehr jedes neue Projekt beim Beschaffen der eigenen Mittel bei Null beginnen muss. Sie soll dazu führen, dass es mehr Austausch der Kunstschaffenden untereinander, aber auch mit dem Publikum gibt. Sie soll bewirken, dass das wenige Geld, das uns allen in dieser Stadt zur Ausübung unseres Berufes zur Verfügung steht, effizienter genutzt wird.

Denn natürlich lässt sich jedes Problem auf dem Feld der schwierigen Arbeitsbedingungen in München auf Geld herunterbrechen, aber lösen lässt es sich dadurch nur sehr bedingt. Gelingende Kulturförderung ist weit mehr als die Finanzierung ausgewählter Projekte. Sie sollte gewährleisten, dass all jene Mittel, die mehreren Produktionen zu Gute kommen können, für diese auch nachhaltig zugänglich gemacht werden. Das muss sie gewährleisten, will sie nicht auf eine besonders wettbewerbs-orientierte Form des Kultursponsorings beschränkt sein. Und vergleicht man die Budgetplanungen unserer und anderer freier Projekte sieht man sehr schnell, welche Posten das betrifft: Raummieten für Proben- und Büroräume, Lagerung und Transporte, Anschaffung technischer Geräte und anderer Materialien und so weiter.

Was mindestens ebenso relevant ist, sich in einer Kalkulation aber kaum darstellen lässt, sind weniger materielle Kosten: Die Arbeitszeit, die in die Recherche von Förderstrukturen und Geschäftsformen fließt, in den Aufbau eines Netzwerkes und – fast an oberster Stelle – all die Zeit, die für das Verfassen von Konzeptpapieren und Bewerbungsschreiben aufgewendet wird und die in unserem Fall etwa die Hälfte der gesamten künstlerischen Arbeitszeit ausmachen.

Und dann gibt es noch einen weiteren Bereich, der sich noch schwieriger fassen lässt. Nennen wir ihn hier einmal „künstlerische Kosten“. Das sind all die Ereignisse, Ideen und Formen, die durch die Leerstellen in den Produktionsmitteln dieser Stadt nicht zu Stande gekommen sind. Es sind die Kompromisse, die eingegangen werden müssen, um eine Idee einer Förderlandschaft anzupassen. Es ist die Interdisziplinarität, die durch Genrebezeichnungen und sonstige Labels zu kurz kommt. Es ist die Sichtbarkeit und Erinnerungskultur für künstlerische Arbeiten, die in den letzten Jahren so sehr gelitten hat. Und auch hier sind die Produktionsmittel ein wichtiger Faktor. Es hängt immer wieder an banalsten Dingen: Eine Produktion, deren Bühnenbild nirgendwo gelagert werden kann, wird nicht auf Tour gehen. Eine Produktion, von der nur ein miserabler Mitschnitt existiert, hat keine Chance auf eine Gastspieleinladung. Eine Produktion, die nicht in Wort und Bild dokumentiert und von der Presse rezensiert wurde, wird auf kurz oder lang vergessen werden.

In dieser Struktur ist das HochX jetzt eingebettet. Ein schönes, aber kleines Theater in der Hand von Künstlerinnen und Künstlern aus der freien Szene. Wir werden den Versuch unternehmen, unser Haus zu einem lebendigen Ort für künstlerische Arbeit zu entwickeln. In dem in jeder Phase eines Projektes – von den ersten Konzeptgesprächen über Proben und Aufführungen bis zur Nachbereitung – ein offener, professionellen Ansprüchen genügender Raum zur Verfügung steht. In dem Transparenz und Solidarität hochgehalten werden. Weil wir um diese Probleme wissen, werden wir unser Bestes tun, weitere Mittel für uns alle zu erschließen.

Es gilt mutige Zeichen zu setzen! Für die Kunst. Für unsere Arbeit als Künstlerinnen und Künstler in dieser Stadt. Für mehr Kommunikation. Und über all dem: dafür, dass es Zeit ist, die Probleme anzugehen.