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A. Klauber (nach einer Zeichnung von X[aver?] Schwab) - Felix Joseph Lipowsky: Geschichten der Vorstadt Au bei München, München: Zängl 1816 (Frontispitz)

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Die Anfänge unseres Theaters – eine kleine Spurensuche.

04.05.2016

Die Geschichte unseres Theaters ist eng mit der Geschichte der Au verknüpft. Die Vorstadt Au war Anfang des 19. Jahrhunderts mit ihrer rapide wachsenden Bevölkerungszahl die zehntgrößte Stadt Bayerns. Die Residenzstadt München brauchte Arbeiter, die jedoch nicht das Bürgerrecht erhielten und vor den Toren der Stadt, an den sumpfigen Ufern der Isar (Au kommt vom mittelhochdeutschen Awe, „Land am Fluss“) siedeln mussten. Vereinzelte Herbergsgebäude erinnern noch an die Zeit, als hier Tagelöhner unter erbärmlichen Bedingungen lebten und arbeiteten. Die heute noch sehr präsente Brauindustrie zog zudem kleine Handwerksbetriebe an. 1854 wurde die Au eingemeindet. Der berühmteste Sohn der Au ist sicherlich Karl Valentin – er kam 1882 in der Entenbachstraße 63
(der heutigen Zeppelinstraße 41) zur Welt.

Das soziale Leben organisierte sich in kirchlichen und politischen Vereinen wie etwa dem „Katholischen Gesellenverein München rechts der Isar“, der sich 1869 gründete und kurz darauf
ein Vereinslokal in der Entenbachstraße bezog – die Gaststätte „Zur Ente“ mit ihren dekorativen Marmorsäulen ist heute unser Büro.

Mithilfe großzügiger Spenden konnte der Verein in den 1870ern das Gebäude kaufen und zur Herberge für wandernde Gesellen ausbauen. Zu den Spendern zählten nicht nur der bayerische Königshof, angeblich hat auch die Königin von Schweden 1000 Gulden beigesteuert – in letzter Minute überbracht von ihrer Kammerzofe. 1883 wurde auch noch das angrenzende Grundstück gekauft und das Gebäude nochmals erweitert: neben einem großen Vereinssaal – unser heutiges Foyer – wurden ein Bühnenhaus, eine Kegelbahn (die zugleich als Theatergarderobe diente) und weitere Unterkünfte gebaut. Somit ist das Theater mit seinen 133 Jahren sehr viel älter als wir ursprünglich angenommen hatten (zum Vergleich: das Prinzregententheater und die Kammerspiele sind von 1901).

Und das Programm? Die Festschrift zur „Heimweihe 1959“ der Kolpingfamilie München-Au gibt Auskunft:

In den Montagsversammlungen wurden vorwiegend religiöse Themen behandelt, aber auch aus Wissenschaft und Technik wurden namhafte Vertreter gehört. (...) Es wurden öffentlich biblische Stücke aufgeführt und später auch Bauernkomödien und Volksstücke, ja sogar anspruchsvolle Schauspiele, Dramen und Singspiele. Zu den Gästen zählten einflußreiche Vertreter der Bürgerschaft vom Magistrat und vom Hof. Das Theaterspiel war eine wesentliche Schulung der Sprache, Selbstbeherrschung und Disziplin, und diente zudem einem materiellen Zweck.1

Herbergen an der Entenbachstraße Ecke Kreuzplätzchen, 1877

Herberge an der Entenbachstraße, circa 1900

Im 1.Weltkrieg wurden die Vereinstätigkeiten unterbrochen und das Wohnheim als Lazarett für Kriegsverwundete genutzt. 1933 stürmten SA-Truppen das Vereinsheim, verprügelten Mitglieder und zerstörten das Mobiliar. Generell erfuhren die Gesellenvereine im 3.Reich erhebliche Beeinträchtigungen (und änderten ihre Bezeichnung in „Kolpingsfamilien“), wurden aber nicht verboten. In 2.Weltkrieg brannte nach einem Bombentreffer das Wohnheim aus und stürzte in sich zusammen, am 24.4.1944 wurden dann auch große Teile des Saals und des Theaters durch Bomben zerstört. Zwischen 1949 und 1952 bauten die verbliebenen Mitglieder Saal, Heim und Bühne wieder auf. Die an Art déco erinnernden Bögen und geschwungenen Formen im Foyer und – besonders auffällig – an der Balustrade stammen wohl aus dieser Epoche, ebenso wie das große Kolping-Zeichen an der Decke des Zuschauerraums.

„Um was du dich sorgst, das wirst du liebgewinnen“ – dieser Spruch Adolf Kolpings stand früher angeblich an der Wand des Saals. Eine gute Aussicht angesichts der Sorgen, die uns die Renovierung des Theaters gerade bereitet…


1 zitiert nach Renate Mayer-Zaky: Die Münchner Au. Bamberg, 1993, S.50f.