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Siesta

Mey Seifan

 

Performance-Installation

 

Mitwirkende und Performer: Hiba Alansari, Shadi Ali, Anna Banout, Martine-Nicole Rojina, Chriska Wagner | Und: Mert Akbal, Ismail Fayed, Rami Farah, Adham Hafez. | Inszenierung und Projektleitung: Mey Seifan | Dramaturgie: Ziad Adwan | Bühne und Ausstattung: Theresa Scheitzenhammer | Musik: David Hermann, Shadi Ali | Wissenschaftliche Beratung: Ph.D. Victor Spoormaker, Mert Akbal | Texte und Künstlerische Beratung: Martine-Nicole Rojina, Chriska Wagner | Übersetzung und Bearbeitung Traumarchiv: Ismail Fayed, Ziad Adwan | Assistenz: Layal Seifan | Produktion: Rat&Tat Kulturbüro

 

Vor einer Weile sah ich mich und alle meine Leute gemeinsam auf dem Wasser laufen. Blaues, tiefes Wasser, welches unsere Häuser halb geflutet hat. Ich habe mich, mich selbst und meine Leute auf dem Wasser laufen sehen, blau und tief, welches unsere Häuser halb geflutet hat.

Salam Hasan 25.07.2011

 

Wir alle träumen im Schlaf. Aber wie erleben wir Träume, wenn sie in einem temporären Raum oder vorübergehender Situationen entstehen? Wie zum Beispiel im Gefängnis, oder in einem Flüchtlingslager, im Niemandsland oder gar im Zelt? Vielleicht sogar einer Stadt aus Zelten, einer Stoffstadt?

 

Im Krieg in Syrien wurden und werden Städte zerstört. Deren Einwohner fliehen und bauen sich neue Zeltstädte aus Stoff – in der Hoffnung, dass dies nur vorübergehend sei. Doch nach sechs Jahren sind die Stoffstädte immer noch da und mit ihnen die Nöte, Hoffnungen und Träume ihrer Bewohner.

 

Die syrische Choreographin und Theatermacherin Mey Seifan sammelt seit 2011in ihrem „Traumarchiv“ die Träume von Syrern. Aus den bislang mehr als 300 gesammelten Erzählungen entstand 2013 die choreographische Trilogie Zerstörung für Anfänger. Die interdisziplinäre Performance-Installation Siesta setzt das Syrian Dream Project nun fort: Performer und Publikum errichten gemeinsam im HochX ein Traumlager mit unterschiedlichen Stationen. Reihenfolge, Tempo und Intensität der Begegnungen im „Traumparcours“ dürfen die Besucher selbst bestimmen, um in eine Atmosphäre aus Licht, Duft, Bildern und Klängen einzutauchen. Das Geschehen folgt dabei selbst einer Traumlogik, ist sprunghaft-assoziativ, voller Überraschungen und dunkler Geheimnisse. Mitgenommen auf eine Reise in das kollektive Unterbewusstsein träumender Syrer werden die Zuschauer selbst zu Träumenden.

 

Zum Abschluss der Vorstellungsreihe wird die Installation am 5. Juli von 16.00 bis 21.00 Uhr öffentlich zugänglich sein. Zuschauerinnen und Zuschauer können so in das Traum-Camp zurückkehren, sich an das Erlebte erinnern und so Einblicke in einen außergewöhnlichen Probenprozess gewinnen.

 

www.tanween.de

 

Mit freundlicher Unterstützung durch das Kulturreferat der Landeshauptstadt München,
die Genossenschaft Prinzenallee 58 (PA58) und Float Berlin/München.

 

 

Sa 01.07. | 16 UhrSiesta Mey Seifan

So 02.07. | 16 UhrSiesta Mey Seifan

Mo 03.07. | 16 UhrSiesta Mey Seifan

Di 04.07. | 16 UhrSiesta Mey Seifan

Di 04.07. | 16 – 21 UhrAusstellung und KünstlergesprächEintritt frei

Ziad

Ziad Adwan ist Theatermacher, Dramaturg und Schriftsteller. Er promovierte über „Mistakes in Theatre“ am Royal Holloway in London. Arbeitete als Dozent am Theatre Institute in Damaskus. Ziad spielte in mehreren Stücken, Kinofilmen und als Direktor für Theaterstücke. Er schreibt für arabische Zeitschriften über Theater und Film und veröffentlichte mehrere Forschungsarbeiten, unter anderem in „New Theatre Quarterly“. Seit 2015 betreibt er Forschung an der Ludwig-Maximilians-Universität in München.

 

Mert

Traum: “Ich erzähle meiner Schwester, wie 64-Bit Computer funktionieren. Das bringt mich auf die Idee, diese Funktionsweise als eine Traumfunktion künstlerisch darzustellen. Die träumende Computer. Ich stelle mir dann vor, dass eine kleine, handgroße Person in dem Rechner sitzt und rechnet, indem er 64 schwarze oder weiße Knöpfe in unterschiedlichen Kombinationen an und aus schaltet. Noch im Traum überlege ich, diesen Traum im Theater zu präsentieren. Danach bin ich in meiner alten Schule unterwegs mit einem ehemaligen Freund, der ganz groß ist. Wir laufen durch eine Ausstellung von Schülern, wo die Arbeiten sich zwischen dem Boden und der Decke strecken. Sie hängen von der Decke oder sind hochgezogen von Luftballons, die fest am Boden geschnürt sind. Meinem Freund, der gerade mit seiner Freundin gestritten hat, empfehle ich, dass er sich eine Weile zwischen diesen hoch gestreckten Werken versteckt und Ruhe findet. Er ist ja auch so groß und schlank und wird dort unbemerkt bleiben. Danach nehme ich eine Zeppelin-Arbeit und schleudere sie durch das Klassenzimmer, wo der Schüler es gebaut hat sich wundert, wie die Arbeit sich von der Ausstellung losgelöst hat.”

 

Mert Akbal ist bildender Künstler und Forscher. Als freier Künstler schafft Werke, die sich mit den kognitiven Prozessen auseinandersetzen. Dabei stehen die künstlerische Darstellungen von oneirischen Träume besonders im Fokus. Als Forscher ist er an zwei Instituten als wissenschaftlicher Mitarbeiter angestellt: an der Hochschule der Bildenden Künste Saar in Saarbrücken und an der Max Planck Institute for Human Cognitive Sciences (mit der Arbeitsstelle Humboldt Graduate School Berlin School of Mind and Brain).

www.mertakbal.com

 

Hiba

Hiba Al Ansari, geboren 1983 in Syrien, lebt und arbeitet zwischen München und Berlin. Hiba besuchte die Adham Ismail und Walid Ezzat Institute der Bildenden Künste in Damaskus (2005 – 2008) mit Schwerpunkt Skulptur und Malerei. Später besuchte sie die Akademie der Bildenden Künste in Damaskus, wo sie sich auf Ölmalerei spezialisierte (2007-2012). 2017 erhielt den Master der Bildenden Künste in Bildhauerei von der Akademie der Bildenden Künste in München. Hiba stellte im Mittleren Osten aus und in Europa, wo sie an zahlreichen Gruppenausstellungen teilnahm. Während der Expo in München (2015) hatte sie ihre erste Einzelausstellung „Despots of presence“ und beteiligte sich an der Gruppenausstellung „Syria off frame“ bei der Biennale die Veniezia (2015).

 

Shadi

„Ich bezwang mein gruseliges Monster wie ich bemerkte, dass ich träume. Denn als sich unsere Augen begegneten, merkte ich: Das bin nur ich.“

 

Shadi Ali, geboren in Damaskus, Syrien, lebt jetzt in Stockholm, Schweden. Shadi Ali ist ausgebildeter Opernsänger, Performer, Stimmkünstler, Stimmtrainer. Ausgewählte Projekte: Sänger und Songwriter für die syrische Rockband „Gene“ von 2005 bis 2011. - „Escamillo“ in „Carmen“, Damaskus 2008. - Schauspieler im Stück „The Small Rooms“, Beirut und Amman 2013. - Performer und Musiker für das Stück „Above Zero“ mit der „Koon theatre company“, Beirut 2014. - Orientalischer Sänger mit Ornina Orchester, Luxemburg 2016.

 

Anna

„Ich habe geträumt, dass ich einen Unterwasserschatz gefunden habe, der in einem sehr komplizierten Safe eingesperrt war. Wie ich es endlich geschafft habe, ihn zu öffnen, tauchte vor mir der größte Fisch auf, den ich je gesehen habe – ein seltsamer exotischer Fisch in der Größe eines Wales. Eindeutig mächtig und sehr majestätisch, hatte er Angst vor den Haien, die in dem dunklen Wasser mit mir herum schwammen. Ich war von dem Fisch gleichzeitig fasziniert und angeekelt – und in einer Demonstration meiner Macht entschied ich mich, ihn zu essen. Ich fing ihn mit meinen Händen und er hatte jetzt die Größe von einem Fisch, den du im Supermarkt kaufen kannst. Ich packte ihn in eine dicke Plastikhülle. Ich entschied mich, die Hülle mit meinen Zähnen aufzureißen. Aber wie ich hinein biss, lief die ganze Tüte voll Blut und es suppte durch. Angewidert warf ich den Fisch zurück ins Wasser, das sich sehr schnell rot verfärbte.“

 

Anna Banout ist Designerin mit polnisch-syrischen Wurzeln und lebt gegenwärtig in Warschau, wo sie ihr Studium in Produkt- und Kommunikationsdesign an der dortigen Akademie der Bildenden Künste abgeschlossen hat. In ihren Arbeiten erforscht sie das Thema der Identität und Beziehungen zwischen Menschen und Objekten. Ihr Antrieb ist die Neugier und die Begeisterung über alle Spielarten des Designs.

 

Ismael

Ismail Fayed ist Schriftsteller und Forscher und lebt in Kairo. Seit 2007 beschäftigt er sich mit zeitgenössischen künstlerischen und kulturellen Praktiken des Mittleren Ostens. Er hat zu lokalen und internationalen Publikationen beigetragen, darunter MoMAs bevorstehender Band für moderne Kunst in der arabischen Welt: Primärdokumente. Seine Schriften erschienen in Muftah, Mada Masr, Nafas Art Magazine, ArteEast, Aperture und vielen anderen Publikationen.

 

Adham

„I dream of the end of the world repeatedly. Most of the times when I dream of the apocalypse, the world doesn‘t end completely, but rather is greatly destroyed and humans and others still try to adapt to chaos, to pain, and to eternal poisons.“

 

Adham Hafez lebt in Kairo, beschäftigt sich mit Praxis und Theorie von Ritualen, ortsspezifischen Projekten, choreografischen Systemen, körperbezogener Dramaturgie, Kulturpolitik und neuartigen künstlerischen Hybriden. Adham kreiert Tanzperformances, Konzerte, Lectures, Installationen und Workshops. Einen Großteil seiner Arbeiten hat er mit seiner der Adham Hafez Company in Ägypten, im Nahen Osten und in Europa gezeigt. Er erhielt einen MDA für Choreografie an der AHK (Hochschule für Theater Amsterdam).

Er ist der Gründer und Programmleiter von HaRaKa, dem ersten Bewegungs- und Performance Research Projekts in Ägypten. Adham ist künstlerischer Leiter der „TransDance“ Festival Serie und Gründer von „Cairography“, der ersten Publikation in Ägypten, die Kritiken über Choreografie und Performance veröffentlicht. Er ist das erste Ägyptische Mitglied bei der Internationalen Gesellschaft für darstellende Kunst (ISPA – New York), er wurde mit dem ersten Preis für Choreografie für die Oper in Kairo vom Ägyptischen Kulturministerium geehrt, erhielt Ehrungen und Verdienste als Choreograf und Musiker von der Bibliotheca Alexandrina, Helwan University und wird vom US Leadership Program gefördert. Er wurde zum „Jungunternehmer des Jahres 2008 für darstellende Kunst“ vom British Council gewählt. Adham ist Stipendiat und Mitglied der International Society of Performing Arts (New York) und UNESCO‘s International Dance Council (Paris /Athens).

David

„Ich war in der Wüste und kurz vor dem Verdursten. Es gab ein Glas Wasser, aber im Wasser schwamm ein Fisch.“

 

David Hermann studierte Theaterwissenschaft, Philosophie und Komparatistik, zuletzt am University College London (MA in Vergleichender Literatur 2010).

Er komponiert seit 2000 für verschiedene Film- und Fernsehproduktionen und ist seit 2015 professioneller Filmkomponist in Berlin. 2015 gründete er zusammen mit Thomas Resch die Firma „Windhouse Compositions“. Zur Zeit arbeitet er an zwei Dokumentationen für die Fernsehsender ARD und ARTE.

 

Martine

„Well, I dreamt of this one night: I was collaborating with NASA and floating in a spaceship. We were releasing a kind of future-fiber-fisher-net into space, which had little colour pumps at the knots of the net. There was a colour matrix on a screen on which I could paint or play music. The pumps released colour patterns in form of little colour drops (like analogue colour pixels) into space and the resulting artworks were eternally floating through the universe. “ I like to give creations their own freedom to exist and evolve.

 

Martine-Nicole Rojina ist professionelle Produzentin für Musik, immersive multimediale Inhalte, Perfomerin und Schauspielerin aus München. Auch arbeitet sie als Beraterin für immersive audio-visuelle Innovationen, Virtual Reality, Augmented Reality und zukünftige Technologien. Ihre Neugier und ihr Einfühlungsvermögen für Technologie, Wissenschaft, Ingenieurswesen, Wirtschaft und Bildung sind die Grundpfeiler ihrer interdisziplinären Projekte und Kollaborationen in ihrem MPATHY STUDIO, worin sie als “Brücke” fungiert, um ein gemeinsames kreativ-experimentelles Spielfeld für mannigfaltige Kompetenzgebiete zu ermöglichen.

www.mpathy.eu

 

Theresa

„Ich hab geträumt, dass meine Schwester mich vor einen Apparat gestellt hat, der war eine Fotokamera verbunden mit einem Revolver. Sie hat mir die Aufgabe gestellt, dass ich jetzt die Blende genau richtig einstellen muss. Danach muss ich den Auslöser drücken. Wenn sie falsch eingestellt ist, wird der Revolver direkt auf mich abgefeuert. Ich hab dann gedrückt und bin aufgewacht.“

 

Theresa Scheitzenhammer studierte bis 2016 an der Akademie der Bildenden Künste München bei Prof. Katrin Brack Bühnen- und Kostümbild. Sie ist Stipendiatin der Gisela und Ekkehard Grübler Stiftung und Preisträgerin des Akademievereins für die Jahresausstellung 2011. Eigene Arbeiten realisierte sie u.a. am Stadttheater Celle, Stadttheater Augsburg, im Werkraum der Münchner Kammerspiele und in der freien Szene von München und Köln. Es verbindet sie eine enge Zusammenarbeit mit der Gruppe CADAM, der Regisseurin Clara Hinterberger und ihren beiden Töchtern. Und den beiden Vätern ihrer Töchter. www.flachware.de/theresa-scheitzenhammer

 

Mey

„Ich habe geträumt, dass wir alle im Wasser leben. Es schien ein riesiger See zu sein oder sogar das Meer. Alle Alltagsgegenstände waren an der Oberfläche des Wassers. Da waren Grenzen zwischen den Grundstücken der Nachbarschaft. Diese Grenzen waren Netze. So lebten wir; wir wechselten sogar unsere Kleider im Wasser. Allein das Atmen im Wasser war nicht möglich. Wir mussten auftauchen, ansonsten würden wir untergehen. Nachts ließen wir uns auf dem Rücken an der Oberfläche treiben. Ich weiß nicht, warum wir keine Luftmatratze oder schwimmende Stühle hatten. Mein Gott! Wir waren so beschäftigt in diesem Traum, und wir waren sehr sehr müde.“

 

Mey Seifan erforscht seit einigen Jahren die bewusste und unbewusste Ebene der Wahrnehmung sowie den möglichen Raum dazwischen. 2011 rief sie das „Syrian Dreams Projekt“ ins Leben. Sie archiviert Träume syrischer Bürger und baut darauf ihre Projekte auf. In Damaskus gründete sie am Opernhaus ein internationales Tanzfestival, das sie auch viele Jahre lang leitete. Inzwischen lebt sie in Deutschland und pendelt sie zwischen München und Berlin.

 

Chriska

“Ich sitze in der Dämmerung auf dem Bordstein vor dem Haus meiner alten Studentenwohnung. Plötzlich kommt Wind auf und vom Himmel herunter schwingt sich ein großes Licht hin und her. Bevor ich denken konnte, „fällt ein Stern vom Himmel?“, zerschmetterte direkt vor meinen Füßen ein Satellit. Um Haaresbreite hätte er mich getroffen.”

Chriska Wagner ist Theaterautorin und Schauspielerin. Seit 2005 beschäftigt sie sich mit dem Transfer komplexer Wissensgebiete in künstlerische Ausdrucksformen und inszeniert Aspekte des naturwissenschaftlichen Weltbildes. Im Mittelpunkt ihrer Stücke stehen meist kluge Männer wie Joseph Beuys, Johannes Kepler oder Albert Einstein. Ihre Arbeiten sind interdisziplinär und spartenübergreifend.