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Wir befinden uns auf einer Reise.

Ute holt sich den ersten Sonnenbrand dieses Jahres, während sie Benno unter freiem Himmel Rede und Antwort steht: Teil 3 unseres Interviewmarathons.

Wie sind bei euch im Team die Aufgaben verteilt?

Benno kümmert sich momentan in erster Linie um das Programm, die Kontakte mit den Künstlerinnen und Künstlern und die Dispo. Uli ist verantwortlich für die Grafik, die Webseite und technische Fragen; Susanne ist unsere Geschäftsführerin und ich bin schwerpunktmäßig für die Kommunikation zuständig. In Bezug auf die künstlerische Programmgestaltung überlappen sich aber unsere Arbeitsbereiche, von daher nennen wir drei uns „künstlerische Leitung“.

Was bedeutet Kommunikation? Gehört da die PR für die Produktionen dazu?

Das schließt die PR für das Haus und unser Gesamtprogramm mit ein, in enger Zusammenarbeit mit den PR-Maßnahmen der einzelnen Produktionen. In erster Linie verstehe ich Kommunikation aber als Vermittlungsaufgabe. Ich bin ja Dramaturgin, daher ist es für mich eine Herzensangelegenheit, nicht nur Publikum für unser Programm zu gewinnen, sondern auch Brücken zu bauen und Verständnis zu fördern für diese künstlerischen Ausdrucksformen. Gerade im Bereich der avancierten zeitgenössischen Kunst gibt es viele Möglichkeiten, Hürden abzubauen und ins Gespräch zu kommen. Das Interesse ist auf jeden Fall da.

Und welches Publikum soll das HochX ansprechen?

Da gibt es verschiedene Publika: zum einen die Leute, die sich für die Produktionen der freien Szene interessieren und bereits sehr gespannt sind auf diesen Ort, der einerseits eine Tradition hat und andererseits vor einem Neuanfang steht. Da gibt es das bürgerliche kulturaffine Publikum, das vielleicht mal ein wenig abseits der Wege gehen möchte; das studentische Publikum, an dem wir auch altersmäßig noch nah dran sind; und natürlich Kinder und ihre Eltern für unser Kinderprogramm. Und natürlich – das ist ja das Ziel jedes Theatermachers – will man auch Leute ins Haus holen, die bislang eher wenig damit in Berührung gekommen sind. Ich glaube, dass das stark über Themen geht, die die Leute interessieren, und das muss eben entsprechend gut kommuniziert werden. Außerdem muss man die Nachbarschaft ansprechen, damit man nicht so ein Solitär ist in diesem Viertel, das ja eine interessante Bevölkerung hat: eine Mischung aus Alteingesessenen und Gentrifizierungs-gewinnern (lacht). Auf jeden Fall hat man ein interessantes Publikum hier in der Stadt und ich glaube, dass man da sehr viel machen kann.

Und was für Themen bzw. Genres kann man jetzt in der ersten Spielzeit erwarten?

Uns geht es ja viel um Vernetzung und Interdisziplinarität. Wir möchten die starke Separierung bei Künstlern und Zuschauern – Tanzleute schauen nur Tanz, Theaterleute nur Theater, Bildende Kunst findet wieder ganz woanders statt – aufbrechen und die Leute in Dialog bringen. Geplant ist bei der Eröffnung mit zwei Produktionen zu starten, die das idealtypisch verwirklichen: da kommen verschiedene Künstlergenerationen aus München – Etablierte und Newcomer - zusammen, es kommen verschiedene Nationalitäten zusammen, es kommt Tanz, Musik, Schauspiel, Installation zusammen. Darüber bin ich sehr glücklich. Und weiter geht’s dann mit dem Debüt einer jungen Regisseurin, in dem es um Körper, Geschlecht und öffentlichen Raum geht und in dem auch der Theaterraum verlassen wird. Und dann gibt es noch einige Musiktheater- und Tanzproduktionen. Gerade die Tanzszene reagiert sehr positiv auf uns und unsere Pläne, das Haus neu aufzustellen. Aktuell breiten wir unsere Fühler noch mehr in Richtung Literatur und Musik aus, Konzerte und Lesungen sollten noch mehr Teil unseres Programms werden. Schön ist, dass wir da gerade selber noch am Erkunden und Kennenlernen sind. Wir befinden uns auf einer Reise und lernen viel Neues kennen – Neues, das wir dann selber weitergeben können an unser Publikum. Wir können dazu einladen, an dieser Erfahrung teilzuhaben und Neues zu entdecken. (geflüstert) Du kannst mich ja mal was Persönliches fragen.

Du bist ja von Haus aus Dramaturgin. Wie war denn dein Werdegang?

Recht klassisch. Ich bin durchs Schultheater und Praktika zum Theater gekommen und wollte eigentlich schon immer in die Dramaturgie, da mich diese Verbindung von Theorie und Praxis, von intellektueller Arbeit für die konkrete Theaterpraxis gereizt hat. Während des Dramaturgiestudiums hab ich dann angefangen, in andere Theaterformen jenseits des Schauspiels reinzuschnuppern und hab auch außerhalb der Theaterakademie Projekte gemacht. Nach dem Studium hab ich dann an der Uni gelehrt und geforscht, bis mich dann die Zusammenarbeit mit Tobias Ginsburg bei „Nestbeschmutzung“ wieder zurück zum Theater gebracht hat. Dann haben wir Fake to Pretend gegründet, aus einem gemeinsamen Interesse an alternativen Arbeitszusammenhängen und –prozessen heraus. Wir haben die klassische Arbeitsteilung stark hinterfragt und immer nach einer der Ästhetik und dem Thema angemessenen Arbeitsweise gesucht. Daraus haben sich ein paar sehr schöne Projekte ergeben. Und dann hat mich Klaus Zehelein an die Theaterakademie geholt als Assistentin im Studiengang Dramaturgie, den ich die letzten Jahre auch stellvertretend geleitet habe. Die Erfahrungen aus dem freien und kollektiven Arbeiten konnte ich auch einfließen lassen in die Dramaturgieausbildung. Ich – und wir – haben uns in den letzten Jahren intensiv mit der Frage auseinandergesetzt, wie künstlerische Prozesse funktionieren, wie man das Theater ästhetisch und strukturell erneuern kann, wie Dramaturgie im freien Theater aussehen könnte. Und deshalb sehe ich da eine gerade Linie vom Nachdenken über die Bedingungen und Möglichkeiten künstlerischer Arbeit hin zu dem Versuch, dafür den richtigen Rahmen zu schaffen.

Was möchtest du erreichen mit dem HochX?

Mir ist ganz wichtig, einen offenen und einladenden Ort zu schaffen, der nicht diese falsche Exklusivität mancher Underground-Läden für sich beansprucht. Es soll ein Ort werden, an den man gerne kommt, an dem man mit Neuem und Herausforderndem konfrontiert wird. Das muss auch nicht immer hundertprozentig gelingen; manchmal sagt man sich eben: in Ordnung, das war ein Experiment, das war interessant anzuschauen – mal sehen, was er oder sie als nächstes macht. Dann hat man schon Teil an einem Prozess, der mehr ist als eine einzelne Produktion. Manche Künstler lernen sich ja selbst gerade erst kennen, auch untereinander. Da gibt es gerade eine positive Aufbruchsstimmung und ein Interesse an der Arbeit anderer und dafür hätte ich das HochX gerne als Anlaufstelle. Und das zweite ist ein genuin politischer Aspekt: wir müssen unbedingt thematisieren, unter welchen sozialen und ökonomischen Bedingungen Kunst gemacht wird in dieser Stadt, dass das Leben und Arbeiten für Künstler in München aufgrund der hohen Kosten und der Defizite in der Infrastruktur – es gibt einfach zu wenige Räume, zu wenig Ausstattung, dafür viel Ausbeutung unter Kulturschaffenden  – hochproblematisch ist. Erst nach und nach wird deutlich, dass es ein riesigen Problem für die Stadt ist, dass die Künstler alle abwandern und dass das, was übrig bleibt, in der Repräsentation erstarrt. Das muss weiterhin im Bewusstsein gehalten und thematisiert werden. Wir müssen an der Verbesserung der Situation arbeiten und zugleich offen darüber sprechen, was uns als Gesellschaft Kunst wert ist.

08.04.2016