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Manchmal eckt man stark an.

Unsere Interviewreihe geht in die zweite Runde: jetzt erzählt Ulrich Eisenhofer bei einem Stück Käsekuchen von seinem Weg ans Theater und dem Widerspruch zwischen Fliesenboden und Klickibunti-Webdesign

Wie bist du zum Theater gekommen?

Das ging über einige Umwege. Nachdem ich einiges andere schon gemacht hatte – ich bin ja ursprünglich Grafiker – hab ich eines Tages das Gefühl gehabt, dass ich das mal ausprobieren müsste.  Und auf der Suche nach einem Weg zum Theater bin ich auf diese Veranstaltungstechnikerlehre beim Prinzregententheater aufmerksam geworden. Das Theater war die erste Branche, bei der ich mir direkt am ersten Tage vorstellen konnte, zu bleiben. Und dann hat nach der Lehre eins zum anderen geführt und jetzt machen wir das HochX.

Was war es, was dich an dem Medium interessiert hat?

Von dem Medium Theater hatte ich ja anfänglich überhaupt keine Ahnung. Was mich vom ersten Moment an fasziniert hat war diese Möglichkeit, mit vielen verschiedenen Leuten aus den unterschiedlichsten Bereichen in Kontakt zu kommen, immer neue Dinge zu sehen und neuen Herausforderungen zu begegnen, die man auf diverse Arten lösen kann, wo es erstmal kein „richtig“ oder „falsch“ gibt. Das hat mich fasziniert. Die Begeisterung für das Medium ist im Lauf der Zeit einfach entstanden, durch das Kennenlernen verschiedener Genres, verschiedener Künstler oder Theaterhäuser. Und die hält immer noch an und wird immer noch stärker.

Und wie kam es, dass du nicht mehr nur als Techniker, sondern auch als Künstler arbeiten wolltest? Das ist ja eher selten.

Ja, das stimmt. Aber mein Werdegang war ja vorher schon eher ungewöhnlich, da erscheint mir dieser Schritt nicht so groß. Ich habe Theaterarbeit immer als enge Teamarbeit empfunden und konnte mich nie an irgendwelche Grenzen gewöhnen, auch wenn ich weiß, dass derartige Strukturen am Stadt- und Staatstheater sehr wichtig sind. Deswegen hab ich mich auch nach und nach von dort zurückgezogen und bin in der freien Szene angekommen, wo man einfach viel selber machen muss. Da macht man halt mal ein Bühnenbild, wenn nicht genug Geld für einen Bühnenbildner da ist. Man macht immer das, was das Stück braucht, was die Produktion braucht, an der man arbeitet. Und so rutscht man da auch relativ leicht rein, auch wenn man sich das ursprünglich nicht vorstellen kann.

Was sagst du, wenn dich jemand nach deinem Beruf fragt?

Momentan sage ich immer: ich leite ein Theater (lacht). Das hängt von der Tagesform ab. Bühnentechnikern sage ich, ich bin Künstler und den Künstlern sage ich, ich bin Bühnentechniker. Nur anderen Grafikern verrate ich, dass ich Grafiker bin. Manchmal eckt man stark an, wenn man sagt, dass man genauso gerne ein Bühnenbild aufbaut oder einen Tanzboden verlegt wie man auch ein Stück inszeniert. Sobald sich die Leute aber daran gewöhnen, dass man verschiedene Dinge erfolgreich macht, ist die Akzeptanz dann plötzlich da und auch immer groß. Aller Anfang ist schwer.

Und welche künstlerischen Möglichkeiten siehst du für dich in der freien Szene?

Das Allroundertum bietet viele Vorteile. In der Zusammenarbeit mit anderen ergeben sich da ganz andere Produktionsmöglichkeiten, auch durch die flachen Hierarchien, die wir seit einiger Zeit praktizieren. Erst diese Arbeitsweise ermöglicht es, das Theater zu machen, das wir machen wollen, mit unseren eigenen Geschichten. Das grenzt die freie Szene natürlich auch vom Staatstheater ab, wobei ich nicht sagen möchte, dass die Szene eine reine Ausweichmöglichkeit für die Leute ist, die nicht ans Staatstheater passen. Es ist nicht das Andere, sondern es ist etwas Eigenes. Und die Veränderungen, die sich gerade in der Szene abzeichnen – die Vernetzung, das Kennenlernen – sehe ich sehr positiv. Da entstehen neue Dinge, neue Möglichkeiten, sich auch mal mit ganz anderen Herangehensweisen zu beschäftigen. Das Problem ist natürlich das Geld: in einer so teuren Stadt wie München ist es schwer, als freischaffender Künstler überhaupt zu überleben. Wenn man mal eine Förderung nicht bekommt, ist man so schnell draußen, wie man drin war. Was also fehlt, ist die Kontinuität und auch mal die Möglichkeit des Scheiterns. Meine Idealvorstellung ist schon, dass man sich als freier Künstler auf das konzentrieren kann, was man macht, ohne die ganze Zeit diese enorme Existenzängste zu haben, die sich ja wiederum negativ auf das Schaffen auswirken.

Welche Hoffnungen verbindest du mit dem HochX?

Dass es der Ort wird, der der Stadt gerade fehlt: ein Haus der freien Szene, ein Produktionshaus, ein Haus, an dem man sich als Künstler wie auch als Zuschauer wohlfühlt. Wir wollen zur gerade entstehenden Vernetzung beitragen und die Szene sichtbarer machen. Wenn theaterinteressierte Leute nach München kommen, sollen sie sagen: im HochX muss ich unbedingt vorbeischauen. Und ganz persönlich glaube ich, dass man ganz leicht und unbürokratisch Dinge verbessern kann: Produktionsmöglichkeiten schaffen, mehr Austausch untereinander, Hürden abbauen.

Was waren die Überlegungen hinter dem Logo und dem grafischen Grundkonzept, wie man es z.B. in Ansätzen schon auf der Webseite sieht?

Das Logo spiegelt natürlich das Grundkonzept des HochX wider, das Spiel mit Zahlen und mathematischen Zeichen. Ich wollte ein simples, einprägsames Logo entwerfen, das sich so richtig einbrennen kann. Der Rest hat sich nach und nach ergeben und wird auch von dem beeinflusst, was wir gerade erleben mit dem ganzen ungeplanten Renovierungsprozess. Ich sehe schon, dass unser momentanes Auftreten - gerade unser Baustellen-Blog - unsere Stimmung sehr stark aufnimmt. Einerseits wollen wir loslegen und das große, grelle, bunte Freie-Szene-Theater eröffnen, beschäftigen uns andererseits aber gerade hauptsächlich damit, wann die Fliesen rausgerissen werden. Da ist ein Gegensatz spürbar, den ich in unserem Auftritt wahrnehme und auch verarbeite.

23.03.2016