< zurück zur Übersicht

„Dann müssen wir das
in die Hand nehmen.“

Formular wird gesendet...

Auf dem Server ist ein Fehler aufgetreten.

Danke, dass Sie sich für unseren Newsletter angemeldet haben!

< zurück zur Übersicht

NEWSLETTER

SPONSORING

ARCHIV

IMPRESSUM

Ich bin einfach gerne Gastgeber.

Susanne Weinzierl komplettiert unseren Interviewreigen und erzählt von ihren Theatererfahrungen quer durchs Gemüsebeet.

Wie bist du denn zum Theater gekommen?

Wie die Jungfrau zum Kind. Ich hatte vorher ja zwei andere Berufe gelernt - Schreinerin und Hotelfachfrau - und war mir immer nicht sicher, was es werden soll. Ich habe mich auf jeden Fall für Kunst und Veranstaltungen interessiert und hab dann glücklicherweise ein Praktikum beim Spielart Festival gemacht. Dann wusste ich: da muss es hingehen. Und dann habe ich noch ein Kultur-management-Fernstudium absolviert und war bei verschiedenen Festivals als Organisations- und Produktionsleitung und in der Künstlerbetreuung tätig.

Woher kommt dein Interesse an der freien Szene?

Ich finde es spannend, dass hier losgelöst von irgendwelchen Dogmen produziert werden kann. Du kannst einfach loslegen mit den Themen, die dich interessieren, ohne auf Sparten, auf Haus- oder Spielplanpolitik Rücksicht zu nehmen. Die Leute beschäftigen sich hier wirklich mit dem, was sie interessiert, wofür sie brennen. Und bei der Transformation auf die Bühne entstehen nochmal ganz andere, spannende Dinge. Das wird ja inzwischen auch von den festen Häusern aufgegriffen und zeigt nochmal das kreative Potenzial dieser Arbeitsweise. Alles kann sich besser entfalten, weil es keine Grenzen gibt – außer den finanziellen natürlich.

Mit welchen Künstlern hast du zusammengearbeitet? Und welche Aspekte ihrer Arbeit fandst du besonders spannend?

Besonders interessant fand ich die Arbeit mit Stefan Kaegi und Rimini Protokoll. Hier findet ein guter Umgang mit gesellschaftspolitischen Themen statt, der neue Blickwinkel eröffnet. Du als Zuschauer hast an Ende das Bedürfnis, noch mehr über eine Sache zu erfahren. Sie beteiligen sich auf die Weise am gesellschaftlichen Prozess und übernehmen so in gewisser Hinsicht auch Verantwortung. Das ist eine schöne Art, Theater einzusetzen, wenngleich natürlich nicht die einzige. In München habe ich mit ganz unterschiedlichen Künstlern gearbeitet, quer durch den Gemüsegarten: Monica Gomis – eine tolle Tanzfrau -, Helga Pogatschar oder Berkan Karpat. Bei der Biennale habe ich z.B. bei Produktionen mit Georges Delnon oder Claus Guth gearbeitet und an der Theaterakademie mit etablierteren Künstlern. So konnte ich eine schöne Bandbreite kennenlernen.

Und wie würdest du – auch über einen längeren Zeitraum – die Entwicklung der freien Szene in München beschreiben?

Die Herausforderung, die es vor 10 Jahren gab und die es heute noch gibt, ist dieselbe: Sichtbarkeit über den Stadtrand hinaus. Gelungene Produktionen werden nicht richtig wahrgenommen, es werden keine Fühler ausgestreckt. Dafür gibt es wahrscheinlich viele Gründe: Berlin als Epizentrum lenkt viel Aufmerksamkeit auf sich, außerdem gibt es noch das Geldproblem. Es hat sich aber auch schon vieles zum Guten verändert: es gibt seitens der Stadt bessere Ideen, es gibt Gastspielförderung etc. aber natürlich muss sich das weiterentwickeln. Die nationale und internationale Wahrnehmung zu stärken ist nach wie vor ein wichtiges Thema. Im Moment gibt es ja eine neue Generation, die motiviert ist und die mit einer neuen, frischen Energie die Situation verbessern möchte und die sich nicht verunsichern lässt von möglichen Hindernissen. Denn darum geht es ja: was kann man bewegen? Was kann man machen?

Und warum hast du dich auf uns eingelassen mit dem HochX? Welche Ziele, Ideen, Wünsche verbindest du mit dem HochX?

Ich finde es super, einen Ort selber prägen zu können. Ich bin einfach gerne Gastgeber – im Privaten wie im Beruflichen. Ich war schon immer jemand, der gerne Leute willkommen heißt und gerne im Team arbeitet. Mit dem HochX kann man in dieser Stadt eine stabile Insel schaffen, wo sich die Leute eine Zeitlang ausprobieren können. Das ist ein schönes Angebot, das ich gerne unterstütze. Die Ideen, die ihr drei – also Benno, Uli und Ute – hattet, haben mich gleich überzeugt. Naja, die meisten zumindest. (lacht)
Ich hoffe, dass wir einen Ort mit einer guten Strahlkraft schaffen, der Wahrnehmung schafft für die freien Gruppen dieser Stadt. Und vielleicht gelingt ihnen ja der eine oder andere große Wurf bei uns, wenn sie ein wenig den Kopf frei haben. Das fände ich einfach toll.

Dein besonderes Steckenpferd ist ja das Kindertheater. Magst du ein wenig davon erzählen, was für diesen Bereich geplant ist?

Ich habe ja selber eine Tochter. Kinder haben einen sehr direkten Zugang zu diesen Formen, sie gehen erstaunlich unvoreingenommen und neugierig auf Kunst, auf Musik und Theater zu. Mit ihrer Stimme und ihrem Singen äußern sie sich zum ersten Mal künstlerisch und Musik ist für Kinder immer total faszinierend. Mit „Musik zum Anfassen“ planen wir eine kleine Reihe zu dem Thema – vorausgesetzt, wir finden dafür das Geld.
Tolle Musik für Kinder machen auch Tobi Weber und Richard Oehmann vom „Café Unterzucker“, außerdem sind wir mit verschiedenen Kinder- und Jugendtheatermachern im Gespräch. Wir wollen einfach eine gute Mischung aus Text und Musik - schönes Kindertheater, das nicht nur Stücke macht, sondern auch frei arbeitet, mit Themen und  mit Formen umgeht, das sich einfach frei bedient aus dem großen Repertoire der Kunst. Es würde mich freuen, wenn das gelingt.

19.04.2016