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Bildende Momente, stehende Momente und vergehende Momente.

09.03.2016

Das Team des HochX stellt sich vor.
Als erster darf Benno bei einem Glas Lugana ein paar Fragen beantworten.

Wie bist du zum Theater gekommen?

Es gab einige Persönlichkeiten, die mir diesen Weg vorgezeichnet haben, Lehrer in der Schule und auch Schauspiellehrer. Und nach der Schule war dann für mich relativ klar, dass es Theater sein muss. Ich hab dann aber zuerst neben eigenen Inszenierungen begonnen, Germanistik zu studieren. Nach ein paar Jahren kam dann noch das Dramaturgiestudium an der Theaterakademie August Everding dazu. Während des Studiums hab ich durchgängig weiter Produktionen gemacht, unter anderem mit Fake to Pretend.

Und wie würdest du das Theater beschreiben, das du machst?

Grundsätzlich versuche ich, eine stilistisch wirklich große Bandbreite zu behalten, um die Freiheit zu haben, mit den richtigen Formen auf die richtigen Inhalte zu antworten. Ich verfolge in meinen Arbeiten einen starken formalistischen Kern, der aber immer aus dem Inhalt geboren wird. Es gibt ein großes Interesse an Medien und Techniken, an unterschiedlichen Stilistiken und Erzählformen, die aber fast immer einen historischen Hintergrund haben. Bei „Artefakt“ zum Beispiel war es das Schattentheater und die Frage, welche Bedeutung diese Form für die heutige Mediengesellschaft hat. Bei mir gibt es außerdem ein starkes musikalisches Fundament, auf das ich meine Arbeiten und sicher auch mein Formempfinden gründe.

Du arbeitest ja nicht nur als Regisseur, sondern als Dramaturg, als Schauspieler, als Musiker, als Autor. Woher diese Bandbreite?

Das hat sehr viel mit der Frage zu tun, wie man am besten auf einen Inhalt antworten kann. Ich wechsle die Rollen von Produktion zu Produktion. Manchmal ist diese Vielfalt der Tatsache geschuldet, dass es schneller ist, unbedeutendere Sachen selber zu machen und sich für die wirklich wichtigen Dinge Leute zu holen, die das gut können und ihnen dann auch den entsprechenden Gestaltungsfreiraum in der Produktion zu geben. Ich glaube, dass die richtige Form des Regieführens – verstanden als das Leiten eines Projekts – immer die ist, erstmal die richtigen Kommunikationsmuster und Arbeitsfelder zu bestimmen. Dass sich jede Person wohlfühlen kann mit ihren Aufgaben. Und nur so kann man auch mit wirklich flachen Hierarchien arbeiten, die ja bedeuten, dass man auch Verantwortung für Bereiche übernimmt, für die man vielleicht auch nicht ausgebildet ist.

Und das ist auch für dich der Grund, warum du bislang überwiegend in der freien Szene gearbeitet hast?

Definitiv. Also meine Begegnung mit dem Stadttheater war ja durchaus ausführlich und ich schätze Stadt- und Staatstheater in dem, was sie tun, absolut. Aber wenn es um das geht, was mir künstlerisch wichtig ist, wenn ich sage: das Projekt muss jetzt so und so gemacht werden – ich weiß, dass ich in Strukturen, die so arbeitsteilig angelegt sind, nicht weit kommen würde. Und deswegen ist da mein künstlerisches Interesse einfach nicht gegeben.

Und warum bist du in München geblieben?

Das ist eine sehr persönliche Sache. Ich habe das Gefühl, dass ich mit dieser Stadt noch nicht fertig bin. Es gibt hier wahnsinnig viel zu tun, in vielen Bereichen. Historisch, sozial, strukturell. Und natürlich bin ich überzeugt, dass Kunst dort vieles bewirken kann. Sonst würde ich ja nicht gerade Kunst machen wollen.

Und das ist auch der Grund, warum du jetzt gerade ein Theater leitest und kein Theater machst?

Absolut. Das ist genau der Grund. Das wird natürlich bedeuten, dass ich die nächsten Jahre weniger Kunst machen werde, und das ist natürlich auf eine Art sehr schade. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass es jetzt das Wichtigste ist, die Strukturen, an denen ich mich die Jahre über gestoßen habe, mit einem Projekt wie diesem Theater zu verändern.

Was für Strukturen sind das?

Das sind die Strukturen, wie Kunst hier gemacht, wie sie gesehen und wahrgenommen wird. Es sind allgemein Strukturen, die man vielleicht Erinnerungsmuster nennen kann. München hat ja wenig Bezug zur eigenen Geschichte und die Kunst kann da viel leisten, die Stadt als Lebensraum, als Milieu des kreativen Austauschs und der eigenen Wirksamkeit sichtbar werden zu lassen. Und gerade weil Theater oder generell Live-Kunst ein transitorisches Element hat, weil sie im Kern immer vergeht, ist es meines Erachtens die beste Form, Gedächtnis oder Ereignisse, die sich wiederum in einem Gedächtnis niederschlagen können, herzustellen. Also ich glaube, dass das die einmalige Chance des Theater ist – auch im Vergleich zu Kunstformen, die bleibende Werke schaffen. Schlicht und ergreifend weil Theater so viel näher an das Erleben und Denken heranreichen kann und weil es auf eine ganz  andere psychologische Grundsituation abzielt, nämlich das Erleben in der Gemeinschaft, der Ko-Präsenz.

Welche Rolle spielt Theater für dich in der Gesellschaft? Welche Aufgabe hat Theater?

Die Aufgabe von Theater ist für mich grundsätzlich alle Gegebenheiten eines Lebensraumes zumindest anreißen zu können, benutzen zu können. D.h. Live-Momente und vermittelte Momente in jeder Form. Bildende Momente, stehende Momente und vergehende Momente. Und das bedeutet, dass Theater einerseits die Aufgabe hat, grundsätzlich andere Herangehensweisen sichtbar und konkret präsent zu machen und andererseits die Verpflichtung dazu hat, sich ständig selbst zu verändern, zu erneuern. Und alles, was danach kommt - die politischen Inhalte - alles das ist für mich nicht so sehr Aufgabe des Theaters denn Aufgabe des Menschen in einer Gesellschaft. Alle Formen – eine politische Auseinandersetzung, eine soziale Auseinandersetzung oder eben eine rein formalästhetische Auseinandersetzung -  halte ich für absolut legitim, wenn sie das richtige Thema zur richtigen Zeit am richtigen Ort aufgreifen und nicht Selbstzweck sind.

Abschließend: wo siehst du das HochX in fünf Jahren?

In fünf Jahren sehe ich das HochX als einen lebendigen Arbeitsort, wo die Möglichkeiten künstlerischen Arbeitens auf eine besondere Art Thema geworden sind. Ich sehe es als die zentrale Bühne eines Netzwerks von Personen, Orten und Künstlern in der Stadt und über die Stadt- und Landesgrenzen hinaus. Das HochX ist in fünf Jahren die Bühne, die zur Aufführung bringt, was an vielen Orten in der Stadt entwickelt wird. Und es ist auch ein Ort, wo man spannende Dinge von woanders zu sehen bekommt. Es ist ein Ort, wo man neue Impulse bekommt, als Zuschauer, als Kunstschaffender, als Politikerin - in welcher Funktion auch immer man hingeht. Und außerdem glaube ich, dass in fünf Jahren schon langsam die Zeit ist, wo ich dann wieder was anderes machen kann und werde. Fünf Jahre ist der richtige Zeitraum für das, was wir vorhaben.

Und wie viele Probebühnen haben wir dann?

Sieben Probebühnen. Zwei große, jeweils ca. 100 qm, die in erster Linie die Bedingungen unseres Raumes wiedergeben. Und dann sind es vier kleinere, wo man auch schnell und kurzfristig arbeiten kann. Und ein Studio-Probenraum für musikalische und digital- analoge Arbeiten, der in engem Kontakt steht mit den entsprechenden Institutionen: dem ZKM, dem Centre Pompidou (lacht).

 

Noch mehr über Benno gibt es übrigens auf www.bennoheisel.de