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Clara HinterbergerAudiogramm. Eine Stadtteilkomposition

 

mit Ines Hollinger, der chor

 

Regie: Clara Hinterberger | Ausstattung: Theresa Scheitzenhammer | Dramaturgie: Ute Gröbel | Licht: Jonaid Khodabakhshi
Komposition: Samuel Penderbayne, Jacopo Salvatori, Tom Smith | Produktionsassistenz: Rebecca Thoß

 

Bei der ersten Begehung des HochX fanden wir ihn, versteckt unter der Podesterie im Zuschauerraum: einen vergessenen Orchestergraben. Diese Entdeckung war Inspiration für das Musiktheater-Projekt Audiogramm. Eine Stadtteilkomposition. Welche Menschen drängten sich hier, auf engstem Raum? Welche Klänge und Geräusche haben sie hinterlassen? Die junge Regisseurin Clara Hinterberger und ihr Team begeben sich auf die (Klang-)Spuren dieses Ortes und seiner Bewohner. Sie tauchen ein in Geschichte und Alltagskultur der Au und fragen nach dem Eigenen und dem Fremden, nach den Vielen und den Einzelnen. Aus dem gesammelten Recherchematerial entsteht eine szenisch-musikalische Installation für Chor, Solist und ein Dutzend Lautsprecher – so bunt und vielstimmig wie die Au selbst.

 

Clara Hinterberger schloss 2013 ihr Regiestudium mit der Musiktheater-Collage Händel.Kafka.Klee ab, ihre Inszenierung von Elfriede Jelineks Kein Licht war beim Körber-Studio Junge Regie und dem 100°-Festival in Berlin zu sehen. Nach Stationen in Graz, Berlin und Stuttgart entwickelte sie im Sommer 2016 eine Live-Klanginstallation für die Opernbude der Münchner Kammerspiele. Als Grenzgängerin zwischen Performance und Musiktheater beschäftigt sie sich mit den gesellschaftlichen und (wahrnehmungs-)politischen Dimensionen von Musik. Darin trifft sie sich mit den drei jungen Komponisten Samuel Penderbayne, Tom Smith und Jacopo Salvatori vom Breakout Ensemble, mit denen sie bei Audiogramm erstmalig zusammenarbeitet. Auf der Bühne zu sehen sind der Chor aus Haidhausen und die Sängerin und Schauspielerin Ines Hollinger.

 

Eine Produktion der Heisel&Eisenhofer Theater GbR mit freundlicher Unterstützung des Bezirksausschusses 5 Au-Haidhausen und des Kulturreferats der Landeshauptstadt München

 

 

 

 

 

Sa17.09.18.30 Uhrlost yesterdays inter:ferenceAudiogramm. Eine Stadtteilkomposition Clara Hinterberger  PremiereJoasihno (Konzert)Im Anschluss Party

So18.09.19.30 Uhrlost yesterdays inter:ferenceAudiogramm. Eine Stadtteilkomposition Clara Hinterberger

Di20.09.20.00 Uhrlost yesterdays inter:ferenceAudiogramm. Eine Stadtteilkomposition Clara Hinterberger

 

Ute Gröbel: Die Klänge der Au

Bei unserer ersten Begehung des Theaters fanden wir unter den Einbauten im Theatersaal einen vergessenen Orchestergraben,
der offensichtlich lange Zeit nicht mehr benutzt worden war. Dieser Fund veranlasste uns, über die Klanghistorie dieses Ortes nachzudenken. Welche Lieder, welche Geräusche haben seine Besucherinnen und Besucher, seine Bewohnerinnen und Bewohner hinterlassen? Hat dieser Raum einen besonderen „Sound“? Wie klingt die Au, früher und heute?

Die Vorstadt Au wandelte sich in den vergangenen 200 Jahren vom ärmlichen Herbergsviertel zur begehrten Innenstadtlage. Anfang des 19. Jahrhunderts war sie mit ihrer rapide wachsenden Bevölkerungszahl die zehntgrößte Stadt Bayerns. Die Residenzstadt München brauchte Arbeiterinnen und Arbeiter, die jedoch nicht das Bürgerrecht erhielten und vor den Toren der Stadt, an den sumpfigen Ufern der Isar (Au kommt vom mittelhochdeutschen Awe, „Land am Fluss“) siedeln mussten. Vereinzelte Herbergsgebäude erinnern noch an die Zeit, als hier Menschen unter erbärmlichen Bedingungen lebten und arbeiteten. Die heute noch sehr präsente Brauindustrie zog zudem kleine Handwerksbetriebe an. 1854 wurde die Au eingemeindet. Der berühmteste Sohn der Au ist sicherlich Karl Valentin, der 1882 wenige Gehminuten von unserem Theater entfernt zur Welt kam.

Dieses stand in seinem Geburtsjahr kurz vor der Eröffnung. Der „Katholischen Gesellenverein München rechts der Isar“ hatte in der Entenbachstraße 37 zuerst ein Lokal eröffnet und es in den 1880ern zum Theater ausgebaut. Das soziale wie kulturelle Leben in der Au war stark von derartigen kirchlichen und politischen Vereinen geprägt, daneben gab es eine Vielzahl an Vorstadtbühnen, auf denen Volkslieder und -stücke zum Besten gegeben wurden. In Couplets, Gedichten und kleinen Szenen wurde ein lebendiges Bild des Vorstadtmilieus mit seinen Kleinbürgerinnen und Kleinbürgern, seinen Bettlern, Gaunerinnen und Rumtreibern gezeichnet. Der „Stolz von der Au“ des Volkssängers August Junker ist sicherlich der bekannteste dieser Vorstadttypen: Ja i bin da Stolz von da Au, am Marihilfsplatz geborn, de Madln de renna, weils mi alle kenna, sehngs mi, is a jede verlorn! I bin als Athlet guat bekannt, kriag alle fünf Jahr a neis Gwand, kumm i in a Wirtshaus, da schreit alles grad naus, ja i bin da Stolz von da Au!

Zum Programm des Theaters in der Entenbachstraße gibt die Broschüre zur „Heimweihe“ 1954 Auskunft: „Erst waren es biblische Stücke, denen sich später Bauernkomödien und Volksstücke, ja sogar anspruchsvolle Schauspiele und Dramen anschlossen. Die Pausen wurden durch Musikdarbietungen verkürzt. Im Zusammenwirken mit Sängern und Musikern gingen mitunter auch Singspiele über die Bretter. Besondere Nervosität herrschte bei Galavorstellungen.“

Der größte Einschnitt für die Au war die Zerstörung im 2. Weltkrieg und der anschließende Wiederaufbau. Auch das Theater brannte 1944 nach einem Bombentreffer aus und wurde von den Mitgliedern der Kolpingfamilie in der Nachkriegszeit wieder aufgebaut, daher sind Theater und Stadtviertel von der Architektur der 50er-Jahre geprägt. In den Erinnerungen der Anwohnerinnen und Besucher ist die „Ente“ Festsaal und Tanzlokal, über dem Zuschauerraum hing der Legende nach ein gewaltiger Kristalllüster.

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die soziale Zusammensetzung der Bevölkerung stark verändert: die Au wurde zu einem begehrten Wohnquartier nahe Isar und Innenstadt, das sich viele nicht mehr leisten können. Die Aufwertung ist den Straßen und Häusern anzusehen; aus den einst windschiefen Hütten des „Glasscherbenviertels“ sind schmucke Stadthäuser mit Millionenwert geworden. Und eines schätzen deren Bewohnerinnen und Bewohner gar nicht: zu viele Klänge und Geräusche.

Jeder Ort hat seinen spezifischen Klang, der sich aus Musik, aus Atmosphären, Rhythmen und Geräuschen zusammensetzt. Klänge lösen Erinnerungen an vergangene Situationen oder Ereignisse aus, wir verbinden sie mit bestimmten Punkten in unserer Biographie, unserem – auch von anderen geteilten – Erlebnishorizont. Klänge können Heimat sein und Heimat beschwören; nach Georg Simmel ist für viele Menschen der akustische Raum eigentlich das, „was für sie einen Ort als Heimat bestimmt.“  Klänge können aber auch ein Politikum sein, ein Konfliktstoff zwischen Menschen, die einen verdichteten urbanen Raum teilen und immer wieder neu aushandeln müssen, wo die Grenzen zwischen privat und öffentlich, Eigenem und Fremdem, dem Recht auf Stille und dem Recht auf Lärm liegen. Und schließlich sind Geräusche auch Indikatoren für eine Störung des öffentlichen Lebens: nie war es in der Münchner Innenstadt so still wie am 22. Juli 2016, dem Tag des Amoklaufs im Olympia-Einkaufszentrum. Nur die Sirenen und die Helikoptergeräusche der Einsatzkräfte waren weithin zu hören.

„Der öffentliche Raum ist das Beste, was unsere Städte zu bieten haben. Man muss diese urbane Bühne des Lebens wahrnehmen, wertschätzen und verteidigen, mehr denn je“ Laura Weissmüller in der SZ vom 28. August

 

O-Töne

Er sagt es sofort… wird er ja in dem Fall auch nich mehr, ich mein, er setzt es ja.

Seid ihr auch RTL?

He, was das denn?

Aouiiii! – Sehr schön, dankeschön! – Bitteschön! – Tschüss!

Das mit dem Grobstetter ... ist auf jeden Fall krass, unsere Wohnungszahlen sind sehr hoch, wenn du aber sagst, das ist dir zu wenig, dann machen wirs gerade..

Sowas von fake. (…)  Das wars?

Wir saßen hier nebeneinander.

Du rennst nicht einfach auf die Straße!

Ham sie (…?) ?  Hallo? – Hallo, Grüß Gott! (…?)

Nooooooooooooooooooooooooo.

Tschüss, Tschippi.

Zweite Kasse, bitte!

Ja, aber kannst a, wenns gar ned angfeicht is, auch tagsüber, kannst a beim Obst .. (werden?)

(Babelsberg, Babelsberg…?)

Und der wohnt halt direkt eine Minute von der Arbeit.

Lilly, du musst dich festhalten, ist gleich Pause, bleib mal sitzen! – Lilly! – Wir sind gleich da!

Danke für gestern, fürs Besorgen.

Ich merk das dann.

Vielen, vielen Dank für das hübsche Hemd.

 Ja, aber jetzt ist wieder alles total spannend.

Ist das was Gutes, was Spezielles, oder habt ihr-?  Seid ihr zusammengezogen halt? -  Nee… nee…

Der Phillip kommt nicht rein zufällig nach Haus. – Nein. Ne.

 

Gertrude Stein: Geography and Plays

Manche von ihnen waren wo manch andere von ihnen waren. Manche von ihnen waren wo keine anderen von ihnen waren. Einer von ihnen war wo nicht irgendein anderer von ihnen, von jener Art von ihnen, gewesen war, und es war eine Sache die für einen jeden wichtig war jenen gesehen zu haben, jenen gehört zu haben. Es wäre entmutigend gewesen mehr von ihnen zu sehen. Es war enttäuschend zu dem Ort zu gehen, wo viele von ihnen waren. Wenn dort viele von ihnen waren dann war dort mehr als einer. Wenn dort mehr als einer war dann waren dort viele von ihnen und wenn dort viele von ihnen waren konnte man einen jeden von ihnen kennen und wenn man einen jeden von ihnen kannte kannte man alle von ihnen. Und wenn man alle von ihnen kannte dann würde man wieder beginnen, man würde beginnen sie zu kennen. Man würde beginnen jene Art von ihnen zu kennen.

 

   

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